Dr. Dieter Bortfeld
 
   
 

 

Sri Lanka (3.-11.Februar 1996)

Colombo, Hotel Taj Samudra, am Samstag, 3. Februar
Am Morgen sind wir zusammen mit Norgard und Charlotte nach Colombo geflogen, sie, um weiterzureisen nach Österreich, wir für eine einwöchige Rundreise in diesem Inselstaat mit dem Auto und einem landeskundigen Fahrer. Dieser erwartet uns schon, als wir nach Erledigung der Formalitäten die Kontrollstellen hinter uns lassen. Es ist ein eher kleiner Mann singhalesischer Abstammung um die Fünfzig und mit Schnurrbart. Er heißt Daya mit Vornamen und ist Buddhist.
Der Wagen, mit dem wir die ganze Reise unter der Obhut von Daya machen werden, ist ein Toyota der größeren Mittelklasse mit allem erdenklichen Komfort und einer perfekten Klimaanlage. Daya teilt uns vorsichtig mit, es sei leider etwas passiert, was den Verlauf der Reise beeinträchtige. Wir hatten schon von Ibrahim in Kerala davon erfahren: Der Bürgerkrieg in Sri Lanka ist wieder aufgeflammt. Die Separatisten, von Abstammung Tamilen aus Südindien und überwiegend Hindus, hatten am letzten Mittwoch in der Nähe des alten Parlamentsgebäudes von Colombo durch ein dreiköpfiges Selbstmordkommando eine Dynamitladung zünden lassen. Bei der Explosion war ein Bankgebäude zerstört worden, das hundert Angestellte unter sich begrub. Benachbarte Gebäude waren schwer beschädigt, und in dem für uns vorgesehenen Intercontinental waren sämtliche Fensterscheiben rausgeflogen.
Auf der Fahrt in die Stadt ist auffallend viel Polizei zu sehen, und wir müssen viele Straßensperren passieren. Uns fallen sofort die breiten und gut gepflegten Straßen auf, mit sehr viel geringerer Verkehrsdichte, als sie in Kerala herrschte. Die Fahrdisziplin ist gut. Die Autos sind ausnahmslos modern; man sieht nicht eines, das schrottreif wäre.
Unser Hotel trägt seine fünf Sterne zu recht; wir fühlen uns gleich sehr wohl darin, und die um den Eingang postierten Soldaten beruhigen uns. Daya hat außerdem darauf hingewiesen, daß auf der einen Seite des Hotels die Kaserne der Armee steht und sich auf der anderen eine Schule der Kriegsmarine befindet.
Bis zum Sonnenuntergang dürfe man sich außerhalb des Hotels aufhalten, hatte Daya gesagt. Also mache ich mich auf den Weg, um die Umgebung des Hotels zu erkunden, während Mädi in einen Tiefschlaf sinkt. Ein großer Platz nimmt mich hinter dem Hotelpark auf, und erst danach gelange ich auf die Promenade, die entlang dem Meer führt. Ein Hinweisschild verbietet das Baden wegen starker Strömungen. Im Westen kann ich noch schwach die Ausläufer des Ghat in Südindien erkennen. So nahe liegt uns der Subkontinent, und in welch anderer Welt leben wir dennoch hier! Ich erfreue mich an der gepflegten Anlage der Uferpromenade und ihrer Sauberkeit, an dem Selbstverständnis, mit dem einheimische junge Paare Hand in Hand unten am Strand herumschlendern und Touristen entspannt die Weite von Platz und Meer genießen. Obwohl wir inmitten einer Großstadt sind, gibt es kein Menschengewimmel; dieses angenehme Gefühl werden wir in der ganzen vor uns liegenden Woche haben.
Dann stehe ich unerwartet am Ort des vor drei Tagen stattgefundenen Attentats. Schräg gegenüber vom alten Parlament, an dem auffallend viele Flaggen von Sri Lanka zu sehen sind, ist die Straße abgesperrt. Schwarze beschädigte Hochhausfassaden, deren Fensteröffnungen mit Holzbrettern vernagelt sind, lassen die Gewalt der Detonation erahnen. Schwer bewaffnete Soldaten stehen Wache, und Menschengruppen, darunter buddhistische Mönche in orangefarbenen Gewändern, blicken stumm und ergriffen auf den Ort dieser schrecklichen Tat.
Noch vor Sonnenuntergang bin ich wieder im Hotel und gehe dort mit Mädi in das Französische Restaurant zu einem köstlichen Essen. Wir bestellen Prawns mit Knoblauchbutter, dazu wundervolles Lagerbier und Arrak. Wir genießen das europäische Flair dieses Lokals. Allerdings sind wir fast die einzigen Gäste. Der Ober sagt uns, wegen des Anschlags seien schon 1.500 Buchungen in unserem Hotel storniert worden.
Am nächsten Morgen holt uns Daya zur Fahrt in den Norden des Landes nach Dambulla ab. Colombo bereitet sich gerade für den heute gefeierten Unabhängigkeitstag Sri Lankas vor, an dem viel Prominenz erwartet wird und ein großer Aufmarsch stattfindet. Die geplanten Tempelfeste sind wegen des latenten Bürgerkriegszustandes abgesagt. Deshalb sehen wir viele Tempelelefanten auf dem Rückweg aus der Stadt. Wir kommen trotzdem gut heraus aus dem Zentrum. Auch auf den wenig befahrenen und so gut instand gehaltenen Straßen außerhalb kommen wir schnell und gefahrlos voran.
Wir fahren durch Dörfer und große Strecken des Dschungels, in dem noch etwa 6.000 wilde Elefanten leben sollen. Dann wieder sehen wir Teakbaum-Plantagen, die hier offensichtlich gut gedeihen und devisenbringend sind. Rainbowtrees stehen mit ihrer breiten Krone als Schattenbäume am Straßenrand, und wir sehen und erkennen wieder den Kapokbaum, der hier , anders als in Ekuador, schon aufgeplatzte Kapseln hat (etwa 12 cm lang), aus denen die weiße Kapokwolle herausquillt. Außerdem Tamarinden, Flammenbäume, von denen einige blühen, Reisfelder, Cashewbäume, Kokospalmen und Bananenstauden.
Als wir in unserem mitten im Dschungel gelegenen Culture Club bei Dambulla anlangen, erwartet mich eine traurige Nachricht: Mein treuester Freund Peter ist am 1. Februar gestorben. Ich telefoniere sogleich lange mit seiner Frau Heide, schicke ein Fax ab an einen gemeinsamen Freund und erhalte den Anruf eines anderen Freundes.
Sehr spät erst am Nachmittag brechen wir auf nach Polonnaruwa, obwohl schwere Tropenschauer aufziehen. Einen der größten künstlich (vom im 12. Jh. regierenden König) angelegten Seen, seit Eindringen der Kolonialmächte Tanks genannt, sehen wir vor Erreichen der Königsstadt. Der landwirtschaftliche Reichtum Sri Lankas ist auf das umfassende Bewässerungssystem zurückzuführen. Man staut die Wassermassen der Monsunregen aus den zahlreichen Gebirgszügen in Rückhaltebecken, bevor sie von den vielen großen Flüssen in das Meer transportiert werden. Deren Inhalt steht während der Trockenzeit zur Bewässerung der Felder zur Verfügung.
Beim Betreten der Ruinenstadt Polonnaruwa wird uns die Tragik klar, in der die Bevölkerung dieses doch so schönen Landes seit Jahrtausenden lebt: Hellhäutige Singhalesen aus dem Norden Indiens besiedelten zunächst diese Insel weit vor der Zeitenwende, gründeten Königreiche, in denen der Wohlstand sich schon früh entwickelte, und nahmen im 3. vorchristlichen Jahrhundert die ihnen von dem indischen Kaiser Ashoka durch einen kaiserlichen Prinzen angebotene buddhistische Lehre zum eigenen Nutzen bereitwillig an.
Bis in unsere Zeit lockt Wohlstand eines Landes Eindringlinge aus weniger entwickelten Gebieten an. In Sri Lanka sind seit mehr als zweitausend Jahren dunkelhäutige und überwiegend hinduistische Tamilen aus dem Süden Indiens eingedrungen und haben sich im Norden der Insel festsetzen können. Immer wieder haben sie versucht, ihren Herrschaftsbereich auszuweiten. Im 12. Jh. ist es ihnen gelungen, die ehrwürdige, mehr als tausend Jahre alte Königsstadt Anuradhapura total zu zerstören, sodaß diese Stadt seitdem nicht mehr bewohnt wird. Als neue Königsstadt wurde Polonnaruwa um 1200 n. Chr. gegründet und später bei zunehmender Zersplitterung der Königsmacht zugunsten regionaler Hauptstädte aufgegeben.
In Polonnaruwa ist eine buddhistische Dagoba in ihrem helmförmigen Kuppelbau noch ganz erhalten. Der einst aus mächtiger Ziegelmauer errichtete Königspalast ist nur noch Ruine. In der Nähe steht ein in Mauern und Friesen noch gut erhaltener Tempel mit vier sitzenden Buddhas und einem halbkreisförmigen Relief aus Mondstein. Am nachhaltigsten wirkten auf uns die drei gigantischen Buddhas, die aus dem dahinter aufsteigenden Felsen geschlagen wurden. Der sitzende (meditierende) Buddha (vor der Erkenntnis), rechts daneben der stehende (lehrende) Buddha (nach Erlangung der Erkenntnis), daneben der liegende (abgeschiedene) Buddha (im Nirwana). Es sind Kolossalstatuen, die dennoch den Ausdruck von emotionsloser Vergeistigung und Ruhe vermitteln, wie man es vollkommener in der europäischen Kunst des Mittelalters nicht findet.
Dambulla im Culture Club Resort, am 5. Februar
Heute hat uns Freund Daya nach Anuradhapura gefahren. Wir kommen durch flaches Land vorbei an Reisfeldern und intensiv genutztem landwirtschaftlichen Kleinbesitz mit Kokospalmen, Tapioka, Gemüse und Obst, was in Verkaufsständen an der Straße feilgeboten wird. Wir sehen unterwegs eine Baumgruppe, in der zu Hunderten Fledermäuse (Flying Foxes) mit dem Kopf nach unten, teils schlafend, teils kreischend, hängen.
In der großflächigen Ruinenstadt Anuradhapura interessieren wir uns besonders für den kunstvoll gestalteten Doppelteich eines Tempels an der heutigen Einfahrt und einen meditierenden Buddha. Mehrere z.T. renovierte Dagobas aus dem 3. und 4. nachchristlichen Jahrhundert und der heilige Sri Maha Bodhi Baum lassen uns nachdenklich verweilen; ihn soll eine indische Prinzessin als Ableger von dem Bodhibaum aus Nordindien gebracht haben, unter dem Buddha meditierend seine Erkenntnis gewonnen hat. Aus dem daneben stehenden Tempel hören wir den Tempelgesang zelebrierender Priester, und Mädi geht hinein.
Wir fahren weiter nach Sigiriya, jenem steil aus der Dschungelebene sich erhebenden Felsen, den sich einst ein von Verfolgungswahn besessener Tyrann zu einer uneinnehmbaren Festung hat ausbauen lassen. Wir steigen hinauf und haben von dem Plateau einen weiten Blick über den Dschungel und auf den zu Füßen des Felsen liegenden Wohnteil der Anlage mit Park. Vor allem aber die Wolkenmädchen! Der Tyrann hat sie am Weg nach oben als Fresken auf 5 cm dicken Putz auf den Fels auftragen lassen. Weibliche Anmut ist hier vollendet ausgedrückt durch die Körperhaltung und die Kopfstellung der Frauen, von denen noch zwölf erhalten sind. Daya erzählt uns, daß Tamilen einmal die Fresken mit Teer überstrichen hätten!
Zum Abend fahren wir wieder zurück nach Dambulla. Die täglich passierten Straßensperren erinnern immer aufs neue an den latenten Bürgerkrieg.
Am nächsten Morgen, dem 6. Februar, Start nach Kandy, der letzten ehemaligen Königsstadt. Die Fahrt ist voll von Erlebnissen: Fünf Felsentempel auf einer Berghöhe bei Dambulla, ganz ausgemalt und mit Buddhaskulpturen ausgestattet, die teilweise aus dem Fels geschlagen sind; Erwerb eines Buddha aus rotem Sandelholz in einer Werkstätte; Besichtigung eines Gewürzgartens. Bevor wir nach Kandy kommen, führt die Straße entlang am Mahaweli Ganga, dem größten Fluß von Sri Lanka. Wir spazieren durch den botanischen Park der Stadt und kaufen anschließend beim Juwelier Mondsteinschmuck für Mädi. Es folgt ein Besuch im Zahntempel. Wir müssen jedoch vorher mehrere Kontrollen einschließlich Leibesvisitation über uns ergehen lassen. Die Tamilen hatten die Sprengung des für die Mehrheit der Bevölkerung heiligsten Buddhatempels angedroht. Anschließend sehen wir eine Tanzvorführung, die mit der Nationalhymne Sri Lankas eingeleitet wird. Müde versinken wir heuteabend in unserem Bett im Beach Hotel in Kandy.
Nurawaeliya im Grand Hotel, am 8. Februar
Am gestrigen Tag sind wir hierher gefahren, ins 1.900 m hoch gelegene Bergland, eines der zentralen Gebiete für den berühmten Ceylontee. Das Hotel aus dem 19. Jh.ist in seinem Baustil ganz englisch, wie auch der Ort, der scherzhaft Kleinengland genannt wird. Wir hatten noch einen Bummel gemacht, aber offensichtlich den schönen Teil des Städtchens verfehlt.
Heute nun steht eine Exkursion in den Horton Plains N.P. an, für die wir einen Jeep mit Fahrer gemietet haben. Um 6 Uhr in der Frühe starten wir noch bei Dunkelheit. In zahllosen Serpentinen geht es auf schlaglochreicher Straße immer höher ins Gebirge, durch Wälder von Farnbäumen und bis zu sechs Meter hohen und rot blühenden Rhododendren. Dann wechseln wieder hochmoorige weite Flächen, die von Grasbüscheln bestanden sind, mit dichtem Buschwald. Wir sehen wiederholt in weiter Entfernung Hirsche von einer dem amerikanischen Wapiti ähnlichen Art.
In Farr Inn, einer Art Berghütte, wird das Auto abgestellt, und Mädi, unser Fahrer und ich beginnen unsere 10 km lange Wanderung über ein kurzes Stück Grasebene, bis wir in einen dichten Nebelwald eintauchen, in dem wir auf schmalen Wegen zu den Aussichtspunkten Small und Big World`s End geführt werden. 1.000 m unter uns liegt das Tal, und um 10 Uhr, genau wie Daya es vorausgesagt hatte, steigen dicke Nebelschwaden von unten herauf und verhüllen den Blick. Wir kehren um und sehen auf dem Rückweg noch zwei große Bärenaffen in den Bäumen über uns herumturnen. Ihren Namen haben sie von ihrem dem des Braunbären ähnlichen Fell.
Bandalawela im gleichnamigen Hotel, am 9. Februar
Dieser im Zentralgebirge Sri Lankas gelegene Ort hat 2.100 m Höhe. Auf der nur 40 km langen Fahrt von Nurawaeliya nach hier kamen wir zunächst noch an vielen Teefeldern vorbei. Dann gelangten wir auf gebirgiger Wegstrecke nach hier in diesen nicht sehr bedeutenden, aber, durch seine hohe Lage bedingt, klimatisch sehr angenehmen Ort. Wir sind etwa auf dem 6. Breitengrad, also knappe 700 km nördlich vom Äquator, und haben dennoch trockene, kühle Luft, die am Abend den Pullover erfordert. Unser Hotel hat den Stil einer englischen Familienpension.
Bandalawela, am 10. Februar
Heute ist unser letzter Reisetag auf Sri Lanka. Außerdem steht der Abschied von Melitta bevor, die noch in der Nacht mit Kay und Nicole nach Deutschland zurückfliegt.
170 km liegen vor uns, und es soll der schönste Tag der bisherigen Reise werden. Der größere Teil der Strecke geht durchs Gebirge, vorbei an Terrassen und Hängen mit Tee- und Gummiplantagen, wo die Zapfzeit zu Ende geht. Die jetzt hellgrün heraustreibenden Blätter brauchen die Kraft des Baumes. Auf Frage erklärt mir ein Farmer, daß ein Eimer der schneeweißen, dünnflüssigen Gummimilch von ca. 250 Bäumen stammt. Gezapft wird morgens von sechs bis zehn Uhr.
Wir sehen auf der Fahrt: Weiß und rosa blühende Frangipani (Temple tree), Bodhitrees bei den Buddhatempelchen, Kokospalmen, Mango- und Yakfruchtbäume, Kitullpalmen mit schlaff wirkenden Blättern, Betelnußpalmen, Brotfruchtbäume, Afrikanische Tulpenbäume, weiß, rot und rosa blühenden Hibiskus, baumhohe, z.T. gefüllte Bougainville. Einmal überquert ein 1.20 m langer Waran, ein andermal ein 1 m langer Leguan die Hauptverkehrsstraße.
In der Ebene etwa 40 km vor Colombo sind an vielen Stellen Schürflöcher in die Reisfelder gegraben; Daya erklärt uns, daß man hier nach Edelsteinen sucht.
Nach fünf Wochen Reise urteilen Melitta und ich über die beiden Länder übereinstimmend: Kerala ist für uns ein exotisches Land. Trotz der Bevölkerungsdichte scheint es keine absolute Armut zu geben. Die schönen, zierlichen Menschen des Landes sind bunt und sauber gekleidet, von fröhlichem Wesen und hilfsbereit. In einen engeren persönlichen Kontakt zu ihnen kam ich nicht. Grund dafür ist sicher auch, daß die nicht gebildeten Volksschichten sich mit der englischen Sprache schwertun. Lebenseinstellung und Lebensweise der Inder sind so anders als die westliche Art, daß ein gegenseitiges Verständnis immer schwer zu erreichen sein wird. Dazu kommt die hinduistische Religion, die das Leben der Inder nachhaltig prägt und die für uns Westeuropäer nicht nachvollziehbar ist. In Gesprächen mit Hindus über ihre Religion habe ich immer den Eindruck gehabt, daß sie selbst die komplizierten und verwirrenden Beziehungen nicht zu überschauen vermögen, in denen die zahlreichen Hindugottheiten zueinander stehen.
Nicht einmal 100 km entfernt vom indischen Subkontinent liegt der Inselstaat Sri Lanka, und wie unterschiedlich ist sein Charakter! Einmal ist es der hellere Menschenschlag der Singhalesen, der Sri Lanka überwiegend bewohnt. Dann mag auch der hier vorherrschende Buddhismus die Menschen in ihrer Lebenseinstellung nachhaltig geprägt haben. Uns schienen die Menschen im Umgang miteinander überlegene Ruhe, Würde und Bestimmtheit auszustrahlen. Denkbar ist das schon, denn sie praktizieren die Lehre Buddhas, der ihnen einen von Disziplin begleiteten Erlösungsweg aufgezeigt hat. Für uns Christen ist die buddhistische Weltanschauung weit begreiflicher als der in vorzeitlichem Animismus wurzelnde Hinduismus.
Das Land ist außerdem nicht mal ein Drittel so dicht besiedelt wie Kerala und schon seit Jahrzehnten touristisch gut erschlossen. Verkehrsmittel, Straßen, Hotels und Versorgung haben das Niveau westlicher Zivilisation, was das Reisen angenehmer und weniger risikoreich macht. Es wird allgemein ein verständliches Englisch gesprochen, wodurch man sich näher kommt.
Ein wesentlicher Faktor für den herben Charme von Sri Lanka ist die Vielgestaltigkeit der Landschaft und das entsprechend wechselnde Klima. Die langen Strände am Indischen Ozean, die durch ein uraltes Bewässerungssystem so ergiebige Landschaft in den Ebenen, abgewechselt von undurchdringlichem Dschungel mit der endemischen Pflanzen- und Tierwelt, das bergige Land und Hochgebirge mit Wäldern, Gummi- und Teeplantagen und seinen kühlen Temperaturen. Melitta und ich würden diese Insel gern noch einmal bereisen!
In der Nacht fährt uns Daya zum Flughafen, wo wir Kay und Nicole treffen. Erfahrungsaustausch, herzlicher Abschied von beiden und meinem lieben Weib, das ich viereinhalb Monate nicht sehen werde. Dann begeben wir uns in unsere Gates, die nur durch eine Glasscheibe getrennt sind. Unsere beiden Flüge sind auf 2 Uhr 10 angesetzt. Wir werden aufgerufen und verlassen gleichzeitig unsere Flugsteige, bis zuletzt uns zuwinkend - Melitta, Kay und Nicole, um das Flugzeug nach Frankfurt - ich, um den Flieger nach Bangkog zu nehmen.

 

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