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Kanada (8.Juni - 23.Juni 1996)
Vancouver (British Columbia) im Waterfront Central Hotel, am 10. Juni
Nachdem ich die Nacht in zwei Flugzeugen und auf dem Airport von Honolulu verbracht hatte, konnte ich vorgestern noch am Vormittag einige Stunden Schlaf in meinem Hotelzimmer nachholen. Einen Spaziergang unternahm ich danach, der mich an dem schönen Gebäude der ehemaligen Station der Canadian Pacific Rail vorbei zum Tower führte, von dessen Observation Deck ich mir einen Überblick über die Stadt verschaffte. Downtown und ihr ältester und schönster Teil, Gastown mit der Waterstreet, lagen unter mir. Hinter der sich im Norden anschließenden Bucht ragten die auf den Höhen noch verschneiten Berge auf, an deren unteren Hängen weitere Stadtteile Vancouvers liegen. Westlich auf der anderen Seite des breiten Sundes sah man im Dunst die Gebirge vom 500 km langen Vancouver Island, auf dem ganz im Süden Victoria liegt, die Hauptstadt von British Columbia. Auf Vancouver Island war ich vor genau 5 Jahren mit meinem Neffen Andy gereist. Im Süden waren die Berge des US Staates Washington zu erkennen. Der Fraser River mündet nicht weit von hier in den Sund.
Ich fand, daß Vancouver viel Ähnlichkeit mit dem ebenfalls am Sund gelegenen Seattle im State Washington hat, wo ich vor fünf Jahren zu derselben Jahreszeit gewesen bin. Dennoch liegt mir das im Stadtkern schönere Vancouver mehr.
Julia und Rolf trafen am Nachmittag aus Hannover ein. Wir bummelten zu Dritt durch die Waterstreet, bestaunten die am Straßenrand stehende Steam Clock, eine mit Wasserdampf betriebene Präzisionsuhr, und aßen in einem Lokal in Chinatown.
Gesternmorgen fuhren wir drei mit der Fähre über die Bay, dann mit dem Bus zur Station der Gondola, die uns auf den leider in Wolken liegenden Grouse Mountain (1.100 m) brachte. Die Rückfahrt zum Fährhafen unterbrachen wir für einen Besuch des Lehrpfades, auf dem man einen guten Überblick über die in Kanada vorkommenden Bäume gewinnt. Auf dem Weg mußten wir die gefürchtete Suspension Bridge überqueren, die unter dem Gewicht der vielen Fußgänger erheblich schwankte.
Auf dem Rückweg sahen wir dem Treiben an den Molen des vor dem Hotel gelegenen Canada Place zu. Jeden Morgen verlassen zwei bis drei luxuriöse Fahrgastschiffe den Hafen, um in nördlicher Richtung die Westküste Kanadas entlangzufahren. Und jeden Abend machen zwei bis drei aus Norden zurückkehrende Luxusliner hier wieder fest.
Für den Nachmittag mieteten wir uns Fahrräder, um den Stanley Park zu umfahren. An diesem Abend kehrten wir in einem chinesischen Edelrestaurant in der Nähe des Hotels ein. Als Appetiser gab es Pekingente, danach Prawns mit Sojasprossen.
Heute bleibe ich im Bett. Ich hatte mich nicht vorsichtig genug auf den Klimaunterschied eingestellt und mir deshalb eine schwere Erkältung geholt. Morgenfrüh um 8 Uhr geht unser Zug über Kamloops nach Banff im Banff N.P.
Chateau Lake Louise im Banff N.P. (Alberta), am 16. Juni
Mit dem Rocky Mountaineer fuhren wir am Dienstag (11.6.) von der Railway Station Vancouver zunächst bis Kamloops, das am Fuß der Rocky Mountains liegt. Die Zugstrecke folgt anfangs dem Fraser River, später dem Thompson R.; oft durchquerten wir wüstenartige Trockensteppen. Da wir Dom Service gebucht hatten, saßen wir im gläsernen Oberdeck eines Wagens, dessen untere Etage als Speisewagen eingerichtet ist. Hier nahmen wir unsere Mahlzeiten ein.
In Kamloops kamen wir noch vor der Dämmerung an und wurden in unser Hotel gefahren. Abends fand ein gemeinsames Essen mit anschließender Show (Indianertänze) statt.
Am nächsten Tag setzten wir die Zugfahrt fort: Am South Thompson R., zwei Seen und am Eagle R. entlang durch dichte Wälder und in immer gebirgiger werdendes Gelände. Einmal schraubte sich der Zug in einem Serpentinentunnel hoch. Den majestätischen Columbia River, der bei Portland (Oregon) in den Pazifik einmündet, überquerten wir und später nochmals seinen Oberlauf. Die ersten Gletscher erglänzten weiß im Sonnenlicht. Dem Lauf des Kicking Horse R. folgten wir und kamen schließlich in das Tal des Bow R. und nach Banff.
Ein Wagen wurde gemietet, und nach einer Stunde Autofahrt kamen wir in diesem Hotel an, das, wie auch zuvor das Waterfront Central in Vancouver, der Canadian Pacific Rail gehört.
Welch´ ein Hotel! Von meinem breiten Fenster aus blicke ich auf den nur ein paar Schritte entfernten Lake Louise, dessen Oberfläche sich nicht einmal kräuselt. In ihr spiegeln sich unverzerrt der dahinter ansteigende Victoriagletscher (3.500 m hoch) mit seinen Gletscherbrüchen und außerdem die zu beiden Seiten steil aufragenden Berghänge, die mit Cedars und Douglasien dicht bestanden sind. Über dem weißen Grat des Gletschers wölbt sich tiefblauer Himmel. Beim Gang am Ufer des Sees entdeckt man, daß die Farben des Wasser ständig wechseln: Von einem hellen Smaragd in glasiges Grün, dunkles Grün des Waldes und Silber.
Wenn die von morgens bis abends in großen Gruppen im Hotel und am Ufer mit surrenden und klickenden Kameras geschäftig hin- und hereilenden japanischen Touristen nicht wären, könnte man meinen, man sei in einem noblen europäischen Alpenhotel: Im Walliser Stübchen sind die Wappen der schweizerischen Alpenkantone angebracht; in mit Zirbelholz getäfelten Gasträumen werden Bratwurst mit Sauerkraut oder Bündner Teller angeboten; am Seeufer bläst ein Mann mit Tiroler Hut auf seinem Alphorn - unterbrochen von kurzen Jodlern (er ist natürlich ständig umlagert von Japanern, die sich mit ihm knipsen lassen); und in der gemütlichen großen Hotelhalle spielt Sebastian, in Lederhosen gekleidet, die Zither.
Meinen Freunden gegenüber erklärte ich dieses auf 1.700 m Höhe gelegene Hotel zu meinem Sanatorium, in dem ich meine Erkältung auszukurieren hoffte. Jeden Tag machte ich einen mindestens einstündigen Spaziergang am Seeufer entlang oder durch den Wald. Ein Hans Castorp auf dem Zauberberg.
Einmal hatte es über Nacht geschneit. Hotelpark, Seeufer und Wälder waren weiß. Es folgte ein warmer sonniger Tag, und ich hörte auf meinem Spaziergang, wie mit lautem Knall und Gepolter Lawinen am Gletscher abgingen.
Mit Rolf und Julia fuhr ich einmal im Auto nach Banff. Mit der Gondola kamen wir auf 2.100 m Höhe und hatten einen weiten Blick über das Tal des Bow R. und auf die uns umgebende Bergwelt. Nach dem Dinner im Steakhaus in Banff fuhren wir auf der 1 A bewußt bei Dämmerung zurück, sahen aber außer einigen Elks (Wapitihirsche) keinWild. Ein Fax von Melitta wurde mir vom roten Knöpfchen des Zimmertelefons gemeldet.
An einem windstillen und sonnigen Tag machte ich mit Rolf und Julia einen ausgedehnten Spaziergang am Bow R. entlang, der, wie auch die anderen Flüsse, in dieser Zeit der Schneeschmelze sehr viel Wasser führte. Wir hatten unbändige Freude an dem klaren grünen Wasser, den schweigenden Wäldern, den majestätischen Gletschern um uns mit einem wolkenlosen Himmel darüber und den Vogelstimmen, die diesen warmen Frühlingstag fröhlich begrüßten. Das typische Kanada-Erlebnis kam dazu: Weit und breit war während unseres zweistündigen Marsches kein Mensch außer uns zu sehen.
An einem Tag mit bedecktem Himmel und leichten Regenschauern machte ich mich mit dem Auto auf zur Great Divide, der Wasserscheide am Kicking Horse Pass. Das in der Nähe entspringende Flüßlein teilt sich hier. Der eine Arm mündet nach über 1.000 km Weg im Pazifik, während das Wasser des anderen Armes nach vielen tausend Kilometer Entfernung in den Atlantik strömen wird. Hier ist auch die Grenze zwischen British Columbia und Alberta. Die Trasse der Canadian Pacific führt hier vorbei. Vor einigen Tagen haben wir diese Stelle im Zug passiert.- Anschließend fuhr ich zurück in Richtung Hotel und dann an den Moraine Lake (1.887 m), dessen umgebende steile Gletscher auf mich bedrohlich wirkten. Ein Kölner Ehepaar lernte ich dort oben kennen, das mit dem Mietwagen noch bis Vancouver und Seattle fahren wollte.
Faxe kamen von Melitta, Tini und Kay.
Winnipeg (Manitoba) im Zugabteil der VIA, am 19. Juni
Gestern begann unsere mehrtägige Zugreise von Jasper bis Toronto quer durch Kanada. Am Morgen starteten wir von Chateau Lake Louise aus mit dem Auto. Wir benutzten den Glacier Hwy., auch Icefield Parkway genannt und amtlich nur Highway 93 geheißen. Auf 2.000 m Höhe kamen wir durch tief verschneite Nadelwälder. Einsame Seen und reißende Ströme lagen am Weg, und durch das Gewölk konnte man manchmal Grat oder Gipfel eines der bis 3.500 m hohen Gletscher erkennen. Wir sahen linker Hand das Columbia Icefield, einen Gletscherstrom, wie er uns aus Europa sattsam bekannt ist. Kettenfahrzeuge konnten wir dort ausmachen, die Neugierige über das Gletschereis karrten.
Wir waren inzwischen längst aus dem Banff N.P. heraus- und in den Jasper N.P. hineingelangt und befanden uns unversehens in einem Teil, der in dieser Zeit die Tierwelt offensichtlich besonders anlockt. Julia entdeckte ihn zuerst: „Ein Bär!“, rief sie aus, und sogleich stoppte ich den Wagen. Ein großer einzelner Schwarzbär trottete gemächlich durch das hohe Gras am Straßenrand. Er hielt sorgfältig Ausschau nach Verzehrbarem und ließ sich durch die aus nächster Nähe fotografierenden Reisenden überhaupt nicht stören. Natürlich taten wir es den anderen gleich und gingen auf kurze Distanz, um möglichst viel aus unseren Schnappschüssen zu machen.
Bald darauf entdeckte Rolf auf der anderen Straßenseite, wo schon einige Wagen angehalten hatten, einen mächtigen Elchbullen. Wir stoppten, stiegen aus und sahen, wie der Elch, der in einem großen Sumpfgebiet nahe der Straße stand, sein Haupt ins Wasser eintauchte, um mit seinem vorgewölbten Äser unter der Oberfläche sprießende Gräser abzurupfen. Noch einmal sahen wir Schwarzbären, diesmal in Zweiergruppe. Ein schöner Anblick waren zwei Wapitihirsche, die sich auf der Grasnarbe am Straßenrand niedergetan hatten. Ihre Geweihe waren noch im Bast. Schließlich sahen wir auch einmal Wildschafe.
Einmal führte unser Highway eine Strecke am Athabasca R. entlang, der ins Eismeer mündet. Dann folgten wir eine Weile dem Lauf des Saskatchewan R., der in die Hudson Bay fließt. Einmal verließen wir den Highway , um zum Wasserfall des Athabasca zu gelangen. Ein Naturschauspiel belohnte uns: Die Wildwasser des Flusses kommen auf dem normalen Bett gurgelnd und strudelnd in eine Verengung und stürzen sich donnernd über eine steile Kante in die Tiefe der anschließenden Klamm. Der Zuschauer erlebt den Absturz der an der Kante ankommenden Wassermassen hautnah mit, und ich fühlte mich erinnert an die ähnliche Situation an dem (natürlich weit mächtigeren) kanadischen Teil der Niagarafälle.
In Jasper gaben wir den Mietwagen bei Hertz ab, nahmen einen Imbiß und bestiegen unseren Zug, der für drei volle Tage und Nächte unser Zuhause werden sollte.
In meiner kleinen Schlafzelle mit Klo hocke ich nun auf meiner Sitzgelegenheit, nachdem ich mein schmales Bett in den Wandeinlaß hochgeklappt habe. Ich befinde mich nicht im Kerker, sondern seit 36 Stunden in einem der achtzehn Wagen des Zuges der VIA. Mein Tagebuch habe ich auf den Knieen. Die Tagesstunden verbringen Rolf, Julia und ich gemeinsam im Observation Car, der als letzter Wagen mitfährt. Dieses Programm wird in angenehmer Weise unterbrochen von köstlichen Mahlzeiten, die uns im Speisewagen serviert werden. Da Rolf und Julia viel von gutem Wein verstehen und ihn schätzen, fließt an unserem Tisch zum Dinner immer reichlich Chardonnay oder Cabernet Sauvignon.
In der ersten Nacht verließen wir Alberta, durchfuhren Saskatchewan und stehen jetzt in Winnipeg, der Hauptstadt von Manitoba. Am Vormittag rollte der Zug durch die weiten Ebenen, in denen einst hunderttausende von Bisons in der Prärie lebten. Jetzt, in der zweiten Junihälfte, keimt dort auf fruchtbaren Äckern zaghaft der Sommerweizen, und auf saftigen Wiesen stehen große Herden von Ammenkühen mit ihren Kälbern und dem Bullen. Auch die Hengste und Stuten, die alle ihr Fohlen bei sich haben, scheinen hier gut zu gedeihen. Farmgebäude sieht man ab and zu, Siedlungen garnicht.
Den einstündigen Aufenthalt in Winnipeg, einer ganz ländlichen Provinzstadt, habe ich genutzt für einen Einkaufsbummel im neu eingerichteten Marktviertel. Mangos aus New Mexico habe ich nun reichlich in meiner Schlafzelle.
Die Fahrt geht weiter in Richtung Ost, bis nach einer halben Stunde der Zug auf freier Strecke anhält. Ein durch Blitzschlag entfachter Waldbrand gefährdet eine vor uns liegende Brücke. Also setzt sich unser Zug rückwärts in Bewegung, und im Schneckentempo erreichen wir nach eineinhalb Stunden wieder Winnipeg. Während der Rückwärtsfahrt saß ein Beobachtungsposten im Observation Car und gab vor jeder Bahnschranke dem Lokführer einen Lagebericht. Nochmals stehen wir eineinhalb Stunden in der Station von Winnipeg in Erwartung weiterer Weisungen aus der Zentrale.
Dann kommt die Entscheidung. Wir werden auf die viel schönere Südstrecke über Thunderbay am Lake Superior geleitet.
Strecke Capreol - Toronto (Ontario) im Zugabteil der VIA, am 21. Juni
Die ab Winnipeg gefahrene Nebenstrecke ist offensichtlich etwas vernachlässigt. 40 km/h war unsere maximale Geschwindigkeit. Das Gleisbett ist nicht mehr eben, und häufig hingen die Wagen nach rechts oder links durch. Mehrere Male kamen wir an Stellen vorbei, wo ein Güterzug aus den Schienen geraten war. Die Wagen, oft noch mit ihrer Ladung, standen oder lagen zu beiden Seiten der eingleisigen Strecke kreuz und quer. Nicht sehr ermutigend!
Es ging ständig durch dichten Urwald auf sumpfigem Gelände. Große und kleinere Flüsse durchzogen die Landschaft. Fast den ganzen Tag über waren Spuren menschlicher Siedlungen nicht zu entdecken. Es gibt also noch absolute Freiräume der Wildnis mit erträglichem Klima.
In Thunderbay standen wir gesternfrüh zwei Stunden lang in der Nähe des Hafens. Ein riesiger Weizenspeicher bestimmte das Bild, dazu gewaltig große Holzlager und eine Papierfabrik. Hinter der Mole sah man in der Bucht des Lake Superior einige Inseln, darunter Sleeping Giant.
Ein kurzes Stück sind wir vorhin am Lake Huron entlang gefahren. Man merkt, daß wir uns der mit 3 Mio. Einwohnern zweitgrößten Stadt Kanadas nähern. Immer häufiger durchfahren wir Ansiedlungen, und die Ufer des Sees sind von Ferienhäusern (bei jedem ein Segel- oder Motorboot) gesäumt.
Mit zwölf Stunden Verspätung werden wir um Mittag in Toronto eintreffen.
Toronto (Ontario) im Royal York Hotel. am 23. Juni
Wieder sind wir in einem Hotel der Canadian Pacific untergebracht, direkt gegenüber dem Bahnhof und in zentraler Lage. Am Lake Ontario sind wir in fünf Minuten. Das Hotel aus den Zwanzigern ist behaglich und nostalgisch herrschaftlich. Art Deco ist in vielen Details zu finden. Seinen Namen hat das Hotel zum einen von der Stadt; Toronto hieß früher York. Den weiteren Namenszusatz verdankt es dem Umstand, daß die königliche Familie bei ihren alljährlichen Besuchen in Kanada stets hier logiert.
Vorgestern nutzten wir sogleich das gute Wetter, um zum CN Tower zu gehen. Er hat eine Gesamthöhe von 533 Meter. Ich empfand ihn als wunderschönes Werk moderner Architektur und an die bestmögliche Stelle am Lake Ontario plaziert. Wir speisten im Drehrestaurant und hielten uns danach lange Zeit auf der Aussichtsebene auf, die auf 447 Meter Höhe liegt. Die Attraktion ist der gläserne Fußboden, der mir beim Darüberschreiten die gruselige Illusion verschaffte, auf einem Seil zu gehen.
Am Abend sahen wir das Musical Bloodbrothers von Rusel. Es ist die tragische Geschichte von zwei getrennt aufwachsenden Zwillingsbrüdern, die sich kennenlernen, eng anfreunden und dann gegenseitig umbringen.
Gestern bummelten wir über die Front St., am victorianischen Flat Iron vorbei und durch den Lawrence Market. Ich fuhr dann allein mit der Fähre zu den gegenüber von Downtown liegenden Toronto Islands, mit einem Elektrozug an die Westseite bis an den Sportflughafen und zurück mit der Fähre. Auf der University St. ging ich dann zur Art Gallery of Ontario mit europäischer Malerei und mit einem ausschließlich den Werken von Henry Moore gewidmeten Saal. Am Abend speisten Rolf, Julia und ich im „Filet de Sole“ frische Austern und Langustenschwänze, um uns danach das Musical The Beauty and the Beast, eine Walt Disney Produktion, anzusehen. Nach der Vorstellung tranken wir noch ein Bier auf der belebten King St., an der auch der Platz mit der Roy Thompson Hall (Konzerthalle der Toronto Symphony) liegt.
Vor dem Rückflug nach Deutschland mit der Lufthansa heutenachmittag haben wir noch Zeit, die wir für einen gemeinsamen Bummel durch Downtown nutzen. Wir kommen in die Galerie der Unternehmer, eine gelungene moderne Konstruktion aus Glas und weiß lackiertem Aluminiumgestänge. In die hohe Halle mit gerippter Bogendecke ist die ehrwürdige klassizistische Fassade des alten Gebäudes der Industrie- und Handelskammer gestellt. Dieses Bauwerk steht für alle Teile der Stadt, die ich habe sehen können. Jung, vital, großräumig, modern und dabei in voller Anerkennung des Alten - so haben wir Drei Toronto kennen und lieben gelernt. Das Erlebnis dieser Stadt war ein belebender und fröhlicher Abschluß unseres gemeinsamen Reiseabschnittes und dazu meiner gesamten halbjährigen Weltreise.
Hannover, am 24. Juni
Bei unserer Ankunft im Flughafen von Hannover steht Melitta da. Sie ist gekommen, um mich abzuholen. Ich sage ihr, daß unsere Verbundenheit, die Gedanken an sie, der Austausch von Faxen und die von unterwegs geführten Telefongespräche mir die Kraft für die Reise gegeben haben. Motivation für die gewissenhafte Aufzeichnung meiner Erlebnisse und Erfahrungen war die Anteilnahme von Familie und Freunden an meiner Reise.
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