Dr. Dieter Bortfeld
 
   
 

 

Hawai (Big Island, Maui, Kauai vom 28.Mai - 7.Juni)

Hilo auf Hawai im Hilo Hawaiian Hotel, am 30. Mai
Nach einer auf Airports und in Fliegern verbrachten Nacht kam ich vorgesternmorgen hier an. Der Flug ging ziemlich genau in Richtung Nord; also gab es keine Zeitverschiebung. Es war eine Reise vom südlichen zum nördlichen Wendekreis. Den Unterschied spürte man sofort an der Luft und an den blühenden Bäumen: Ich war vom beginnenden Winter in den Frühling gereist.
Gleich am Flughafen mietete ich einen Sportwagen des Herstellers Ford, fuhr in nur 10 Minuten ins nahe Hotel und ruhte mich dort zwei Stunden aus. Dann fuhr ich zum 50 km entfernten Vulkan Kilauea im Volcanic N.P., der im Bereich der noch aktiven Zone des Mauna Loa (4.200 m hoch) liegt. Auf dem etwa gleich hohen Mauna Kea, der im Norden der Insel liegt, ruht die vulkanische Tätigkeit, und auf seinem Gipfel sind Air- und Nasa Space Base und Vulkaninstitut untergebracht. Mauna Loa und Mauna Kea sind flache Vulkankegel, denen man ihre Höhe nicht ansieht.
Das Gelände stieg langsam an, und mit zunehmender Höhe setzte Sprühregen ein. Hier oben regne es meist, wurde mir gesagt. Im Visitor Center verschaffte ich mir Grundkenntnisse über die vulkanischen Aktivitäten des Gebietes und fuhr dann zum Halemaumau Krater, der im 3 x 4 km großen Kilauea Krater liegt. Auf der asphaltierten Ringstraße des Nationalparks und der danach ein Stück gefahrenen Chain of Craters Road, die zum Meer in die Nähe der ständig sich in den Pazifik ergießenden Lavaströme führt, kam ich mehrfach an Stellen, wo in den Jahren 1950 bis 1994 bei stärkeren Eruptionen Lava über die Fahrbahn geflossen ist. Durch feuchtkühlen Regenwald, in dem es ringsum von den Farn- und (endemischen) Ohiabäumen tropfte, spazierte ich zum und im Lavatunnel, der sich durch schnelles Erkalten der oberen Schichten über dem Lavafluß gebildet hatte. Bei Dunkelheit war ich im Hotel zurück.
Für gesternmittag hatte ich den Hubschrauberflug über den Vulkan gebucht. Zunächst überflogen wir Plantagen und Waldgebiete mit zahlreichen Flüssen. Der Wasserreichtum auf dieser Seite von Big Island ist offensichtlich, und oft gerieten wir mit dem Helikopter in Regenschauer. Dann kamen wir dem Kegel des Mauna Loa und dem zu ihm gehörenden Kilauea näher. Rauch stieg aus dem Krater eines Vulkankegels auf. Die unter uns liegende grüne Landschaft war jetzt oftmals unterbrochen von erkalteten breiten Lavaflüssen, bis schließlich nur noch schwarzes Gestein unten zu sehen war.
Wir kamen an die Küste. Schon von weitem waren die zahlreichen mächtigen Dampfwolken zu sehen, die aus dem Wasser aufstiegen. Der Pilot drückte den Hubschrauber tiefer, und wir flogen jetzt in etwa 30 Meter Höhe über dem schwarzen Meeresufer entlang. Nun erkannte ich die Ursache für die Dampfbildung. Zahlreiche kleine Lavaströme quollen aus ihren unter erkalteter Lava gebildeten Betten heraus und ergossen sich rot glühend über die Abbruchkante ins Meer. So wurde an dieser Stelle des Ufers die Insel stetig vergrößert. Ein unvergeßliches Schauspiel!
Nach dem Flug ließ ich mir noch einmal die geologischen Hintergründe des erlebten Phänomens durch den Kopf gehen. Nur etwa 3 km unter dem Vulkanschild des Kilauea befindet sich die 1.000 bis 2.000 Grad heiße Masse des Magma, bestehend aus Oxygen, Aluminium, Eisen, Mangan, Silikaten. An die Oberfläche der Erde austretendes Magma wird Lava genannt, die hier als Basalt (weil weniger Silikate enthaltend), anderswo als Granit auftritt.
Bei großer Hitze erstarrt die Lava in glatter oder wulstiger Oberfläche und wird hier Pahoehoe Lava genannt; weniger heiße Lava, A`a Lava, wird gleich nach dem Austritt zu großen und scharfkantigen Brocken, die Geröllfelder bilden. Weitere Formen der hier vorkommenden Lava sind Lavabomben, die wie Geschosse aussehen; Peles Haar (Pele ist die polynesische Göttin der Vulkane), das wie Textilfaser aussieht; Peles Tränen, etwa ein Zentimeter große Tropfen aus Lava. In das Meer sich ergießende Lava wird infolge der raschen Abkühlung pulverisiert zu schwarzem oder - bei entsprechender Zusammensetzung - zu grünem Sand.
Dann zur Theorie der Platten und der Hot Spots: Pazifische, Philippinische, Nasca (vor der Westküste von Südamerika) und Australische Platte verschieben sich zueinander. Die Pazifische Platte schiebt sich unter die Australische und Philippinische Platte und taucht dabei im Winkel von 45 Grad ab. Dabei entfernt sich die Pazifische von der Nasca Platte, und zwischen beide dringt Magma von unten her und baut untermeerische Gebirge auf, wie z.B. die Osterinsel. Beim Zusammendriften und Abtauchen entstehen Tiefseegräben, wie z.B. Marianengraben (10.924 m u.d.M.), Neuer Hebridengraben, Kermadec-Tonga-Graben. Außerdem entstehen Erd- und Seebeben (mit Tsunamis bis zu 35 m Höhe) und Vulkanketten entlang den Schollengrenzen (z.B. Salomonen, Vanatu, Fidschi, Kermadec-Tonga).
Vulkanketten können außerdem über einem Hot Spot entstehen, aus dem Magma an die Oberfläche fließt. Es baut sich so eine vulkanische Insel auf. Durch Verschiebung der Platte (die Pazifische bewegt sich 1 cm pro Jahr) verliert der Vulkanschlot seine Verbindung mit dem Hot Spot, und die vulkanische Aktivität ist einstweilen unterbrochen. Bei Vorliegen der Voraussetzungen kommt es zu einem neuen Plattendurchbruch, und es entsteht eine neue Vulkaninsel. So erklärt man sich heute die Entstehung der langen, von NW nach SO verlaufenden Kette der Hawai Inseln. Auf der schon stark verwitterten Insel Kauai gibt es seit 5 Mio. Jahren keine vulkanische Tätigkeit mehr; im SO von Kauai schließen sich die jeweils jüngeren, inzwischen nicht mehr aktiven Vulkaninseln Oahu und Maui an; auf der südöstlichen großen Insel Hawai hat sich die vulkanische Tätigkeit vom Mauna Kea zum südlich davon liegenden Mauna Loa verlagert.
Am Nachmittag machte ich noch einen Spaziergang in den am Hotel gelegenen Liliuokalini Garten, der nach der letzten, bis 1893 regierenden Königin der Hawai-Inseln genannt ist. Zu sehen sind der Banyan Tree, dessen Luftwurzeln eine Fläche von etwa 50 Meter Umfang einnehmen, der rot blühende Flame Tree und Afrikanische Tulpenbaum, der in blauer Blüte stehende Jacaranda und der Monkey Pod, den wir in Sri Lanka als Rainbow Tree kennengelernt haben. Mynah Birds sind auch hier in großer Anzahl allgegenwärtig.
Mein Hotel liegt am Ufer einer breiten Bucht des Pazifik. Hier traf zweimal in jüngster Zeit, 1946 und 1960, eine Tsunami (durch Seebeben ausgelöste Riesenwelle) auf die Küste Hawais und zerstörte Hilo. Die Gedenkstätte im Wailoa River State Park sehe ich mir heute an. Man hat aus Lavagestein zwei gewölbte, einander gegenüberliegende Halbkreise errichtet.
Dann fahre ich mit meinem Auto in die wieder aufgebaute Downtown. Ich sehe den heiligen Naha Stein, einen quadratischen Block von 200 Kilo Gewicht, durch dessen Verschieben Kamehameha um 1800 sich qualifizierte als von den Göttern zum Herrschen über sämtliche Hawai Inseln favorisierter Mann.
Im Museum erfahre ich etwas über die Geschichte der Mission und der weißen Siedler, deren Werkzeug, Kleidung, Wohnstätten und Bräuche. Größtes Interesse findet die Ausstellung von Lavagestein aus Hawai.
Morgenfrüh geht mein Flugzeug nach Maui.
Ka´anapali Beach bei Lahaina auf Maui im Ka´anapali Beach Hotel, am 31. Mai
Wie gut organisiert geht es doch zu in den USA! Auch hier habe ich schon eine Vietelstunde nach der Ankunft auf dem Airport Kahului meinen Mietwagen, mit dem ich über die Ebene an die Westküste von Maui und dann an der Küste nach Norden in mein Hotel fahre. Ich habe zu Anfang den inaktiven Haleakala (3.055 m) links und die Gruppe von kleineren Bergen rechts von mir. Die Straße ist gesäumt von bis an den Horizont reichenden Zuckerrohr- und Ananasplantagen. Mir gefällt diese Insel. Als angenehm empfinde ich die trockene Luft und den Sonnenschein. Auf Big Island hatte es jeden Tag kürzere oder längere Regenschauer gegeben.
Ich bin in einem großen Touristenhotel untergebracht, das in einem isolierten, ausschließlich aus eleganten Hotels bestehenden Bezirk liegt. Vom zum Hotel gehörenden Strand sehe ich die kleineren Nachbarinseln Lanai und Molokui. Ich gehe sogleich im Meer schwimmen, was in Hilo nicht möglich war.
Lahaina auf Maui, am 1. Juni
Heute steht Segeln auf meinem Programm. Am Morgen gehe ich bei ganz leichter Brise mit einem Hobi Cat für eine Stunde aufs Wasser. Eine große Seeschildkröte schwimmt langsam am Boot vorbei. Am Nachmittag folgt ein Ausflug auf einer 20-Meter-Yacht mit drei Mann Crew und vierzehn zahlenden Passagieren. Zuerst laufen wir eine halbe Stunde unter Motor bei wenig Wind nach Nord, wo vor uns vielversprechende weiß schäumende Seen stehen. Dann, innerhalb einer Minute, brist der Wind auf bis auf volle Stärke 6. Wir sind heraus aus Lee der Inseln und haben die Zone des Nordostpassats erreicht. Rerefftes Groß und Fock sind schnell gesetzt, und mit 9 Knoten Fahrt am Wind schießt unsere Rennziege durch die aufgeregten Wellen.
Lahaina auf Maui, am 2. Juni
Früh breche ich heutemorgen auf zum Haleakala, auf dessen Gipfel ich trotz kurviger Strecke schon um 9 Uhr ankomme. Nachdem die Ebene mit Ananas- und Zuckerrohrplantagen hinter mir liegt, geht die Strecke am Fuß des Vulkans durch Weideland und Eukalyptuswälder. Mit zunehmender Höhe folgen niedrige Stachelbüsche, und schließlich sind nur noch Felder mit altem Lavagestein ringsum zu sehen, in denen vereinzelt Pflanzen stehen. Auffällig ist das wunderschöne Silversword, silbern glänzende Grasbüschel, die einstmals die Hänge des Vulkans so dicht bedeckten, als liege Mondlicht über dem Berg. Die Pflanze ist auf Maui endemisch, wurde aber sehr schnell ein Opfer der eingeschleppten Schweine und Ziegen.
Der Haleakala ist seit dem 18. Jh. nicht mehr tätig. Vom Gipfel aus sehe ich in der Ferne Mauna Kea und Mauna Loa auf Big Island, in der Nähe die Inseln Kahoolawe, Lanai und Molokui. Ich lerne ein junges Paar, unter 25 Jahre alt, aus Kassel kennen. Sie reisen ausgiebig; er ist schon viermal in den USA gewesen.-
Wolken wallen vom Tal herauf. Es ist Zeit für die Rückfahrt. Noch vor Kahului habe ich Gelegenheit, zwei Polopartien zu sehen. Hinter Wailuku besuche ich eine tropische Farm, auf der Ananas, Zuckerrohr, Starfruit (am Obstbaum), Macadamia-Nüsse (am Baum), Mango, Papaya, Bananen, Kaffee, Avocados, Guaven, und Taro zu Lehrzwecken angebaut sind. Den Guavensaft habe ich erst auf der Reise kennengelernt. Der Saft ist weit köstlicher als die Frucht.
Nach der Rückkehr gehe ich schwimmen, essen und dann - glücklich nach dem Erhalt eines Fax von Melitta - schlafen.
Lahaina auf Maui, am 3. Juni
Als erstes möchte ich heutemorgen schwimmen. Die rote Flagge ist jedoch gesetzt wegen der mit unterschiedlicher Wucht anbrandenden Seen und der durcheinander laufenden Strömungen. Ich respektiere die Warnung und verzichte auf mein Bad. Mit dem Auto fahre ich nach dem Frühstück in das 4 km von uns entfernte alte Zentrum von Lahaina aus dem 19. Jahrhundert. Dort sehe ich mir das aus Korallenkalkstein errichtete Gefängnis (heute Museum), den Tempel einer japanischen buddhistischen Sekte mit Friedhof (Papierschachteln mit der Asche der Toten stehen in den Schließfächern einer Kapelle), den riesigen Banyan Tree am Hauptplatz, das Courthouse, die bekannte Pioneer Inn, die Episcopalkirche aus 1927 und die vielen hölzernen Wohnhäuser im Kolonialstil an. Der Hafen ist rein touristischen Zwecken gewidmet. An der Pier liegen zahlreiche kleine Schiffe, und vor jedem steht ein Ticketbüro für das Buchen des angebotenen Schnorchel-, Tauch-, Fischfang- oder Walbeobachtungsausflugs.
Für den Abend habe ich ein polynesisches Dinner im Frontstreet 505 gebucht. Es gibt als Hauptattraktion ein großes im Imo (so heißt hier der Erdofen) gegartes Schwein. Eine Mauer von knipsenden Gästen umgibt den Erdhügel, der wie ein Grab aussieht, als sich zwei Männer anschicken, das Tier auszugraben. Nach dem Dinner folgt die unvermeidliche Hula-Show, von der ich schon im Hotel einen süßlichen Vorgeschmack gewinnen konnte. Sehr amerikanisch verkitscht erscheint mir alles, bis auf die Kriegstänze der polynesischen Männer, die mich an die in Neuseeland und auf den Cook Islands erlebten Tänze erinnern.
Morgenvormittag will ich weiter nach Kauai fliegen. So fahre ich bald ins Hotel zurück.
Poipu Beach auf Kauai im Hyatt Regency, am 4. Juni
In bewährter Weise miete ich am Lihue Airport einen Wagen, diesesmal einen Toyota. In der knapp einstündigen Fahrt zum Hotel fällt mir auf, daß diese Insel sich wiederum gänzlich unterscheidet von Big Island und Maui. Kauai ist vielfältig aufgegliedert in einzelne Landschaftsformen. Die Südostküste hat zudem eine dichte Vegetation von Wald, Farmland und Plantagen; der Nordostpassat bringt reichlich Regen an diesen Küstenstrich.
Das Hyatt ist eine riesige Hotelanlage der Fünf-Sterne-Klasse. In seinen Fluren verlaufe ich mich ständig. Zum Hotelstrand hin liegt der Park mit künstlichen Wasserläufen, Wasserfällen, kleinen Teichen und einer Lagune mit Kunststrand. In dieser steht das Restaurant, das den Ansprüchen der zahlreichen Feinschmecker im Hotel gerecht wird. Golf- und Tennisplätze gibt es auch. Auffallend viele junge Leute wohnen in diesem Edelschuppen, für den ich mein Herz so recht nicht erwärmen kann.
Gebadet wird in der künstlichen Lagune oder im Swimmingpool, da am Strand fast ständig die rote Flagge wegen der starken Brandungsströmung ausgehängt ist; nur Wellensurfer widmen sich, wie an allen Stränden der Hawaiinseln, in großer Zahl auch hier mit Mut und Ausdauer ihrem tollkühnen Sport.
Poipu Beach auf Kauai, am 5. Juni
Heute fahre ich ins Waimea Canyon. Der Weg führt zunächst durch die Küstenebene, vorbei an Kaffee- und Zuckerrohrplantagen von gewaltigen Ausmaßen. Mir fallen die vielen Zuckerfabriken auf, die alle unter Dampf stehen. An einer halte ich an. Zahlreiche Lastwagen, auf welche die langen, braunen Stangen des geernteten Zuckerrohrs kreuz und quer geladen sind, warten vor der Fabrik. Sowie sie an der Reihe sind, werden sie von einem mechanischen Greifer entladen, und das Zuckerrohr landet auf einem Transportband, von dem es in das Innere des verfallen wirkenden Fabrikgebäudes verbracht wird.
Die von hier sichtbaren Maschinen sind rostig, und die Gebäude der Fabrik sind bestimmt älter als fünfzig Jahre. Aber der hier produzierte Zucker ist konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. In Deutschland, wo die Konzentration der Zuckerproduktion so sinnlos vorangetrieben wird, daß gerade neu eingerichtete Anlagen stillgelegt werden, kann der dort hergestellte Zucker nur mit Hilfe des auf Kontingentierung des Anbaugebietes ausgerichteten künstlichen Erzeugerpreises für ARüben gewinnbringend abgesetzt werden. Diese Situation, die Lohnstruktur, das soziale Netz und die immer höheren Sicherheitsanforderungen lassen um den Industriestandort Deutschland in naher Zukunft fürchten.
Die Straße biegt jetzt aus der Küstenebene ab ins Innere der Insel. Mit zunehmender Höhe ändert sich schlagartig die Vegetation. Zunächst komme ich durch von Sträuchern bestandenes Gelände. Im Gebirge auf etwa 1.000 m Höhe umgibt mich Wald mit zahlreichen Silbereichen, deren mittelgroße Blüten orange und golden erscheinen, und Koabäumen mit sichelförmigen und silberngrün schimmernden Blättern. Vom Rim habe ich einen weiten Blick in das langgestreckte Canyon, dessen steile Hänge in der Sonne die braunrote Farbe des Gesteins reflektieren. Die Vegetation ist spärlich, da das Canyon gegen den mit dem Nordostpassat herangebrachten Regen abgeschirmt ist. Tief unten sehe ich einige weißschwänzige Tropic Birds elegant an den steilen Felsen entlang segeln. Auf dem bewaldeten Rücken des Gebirges gegenüber wird gerade ein Waldbrand bekämpft mit Wasser schüttenden Flugzeugen.
Die Straße endet schließlich auf 1.200 m Höhe in der Nähe der Napaliküste. Hier oben bin ich umgeben von dichtem Regenwald aus Baumfarnen und knorrigen Ohiabäumen, die gerade in roter Blüte stehen.
Am Ende meiner zweistündigen Rückfahrt ins Hotel suche ich noch das nicht weit von der Poipu Beach gelegene Spouting Horn auf, eine unter den Felsen der Küste verlaufende Lavaröhre, die unter lautem Fauchen das Wasser der heranbrandenden Wellen ausstößt.
Poipu Beach auf Kauai, am 6. Juni
Der Küstenstraße in Richtung Nordost über Lihue folge ich heute bis Princeville. Am Kilauea Lighthouse verweile ich lange Zeit. Ich sehe den an steilen Klippen geschickt entlang segelnden rotschwänzigen Tropic Birds zu. In den Mangroven des gegenüber liegenden Berghanges brüten hunderte von rotfüßigen Tölpeln. Über mir fliegen Fregattvögel, die gierig darauf lauern, daß einer von ihnen Beute ins Nest bringt, um ihm diese streitig zu machen. Eine Gruppe von braungrauen Nenes, Hawai-Gänsen, watschelt am Leuchtturm vorbei.
Auf dem Rückweg besuche ich noch Smith´s Tropic Garden kurz vor der Schließung. Gerade noch rechtzeitig vor einem gewaltigen Tropenschauer komme ich in mein Auto.
Heute werde ich den letzten Abend im Pazifik verbringen, denn morgennacht geht mein Flug über Honolulu nach Vancouver. So nehme ich Abschied von den Hawaiinseln in dem Nobelrestaurant der Lagune des Hotels, wo ich zu einem guten Chardonnay eine ganze Languste verspeise.
Vieles hat sich verändert, seit die polynesischen Seefahrer vor 1.000 Jahren auf ihren geräumigen Segelkatamaranen auf diesem Archipel anlangten. Es begann mit der Entdeckung der Hawaiinseln durch James Cook. Er hatte 1769 - 1771 und 1772 - 1775 seine beiden ersten Forschungsreisen, von Ost nach West segelnd, im Pazifik südlich vom Äquator durchgeführt. 1776 brach er abermals von England auf, u.a. um die Ost-West-Passage nördlich vom amerikanischen Kontinent zu entdecken. Diesmal segelte er von West nach Ost und entdeckte am 18. Januar 1778 Kauai, wo er von den Einheimischen als Gott des Friedens empfangen wurde. Sie hielten sein Schiff für eine bewegliche Insel mit Bäumen. Cook segelte weiter nach Vancouver, hatte dort Begegnungen mit Indianern und setzte die Reise in nördlicher Richtung entlang der Westküste Kanadas fort. Die West-Ost-Passage fand er nicht. So kehrte er um und landete an der Westküste der Insel Hawai in der Nähe des heutigen Kona. Als ihm dort Einheimische eine Barkasse stahlen, ging er mit zehn Bewaffneten an Land, um einen Häuptling zu entführen. Sein Trupp wurde überwältigt, und Cook wurde von einem Speer tödlich getroffen. Die Häuptlinge nahmen den Sieg über ihren getöteten Gegner und seinen Körper zum Anlaß für eine kannibalische Zeremonie.
In der folgenden Zeit teilten die Hawaiinseln das Schicksal der meisten anderen Inseln des Pazifik. Die auf das damals begehrte Sandelholz versessenen Ausbeuter kamen und machten Kahlschläge. Walfänger richteten überall im Pazifik ihre Niederlassungen ein und dezimierten die Bestände dieser Tiere, um aus dem Tran Profit zu schlagen, der als Brennstoff für Lampen benötigt wurde. Der Walfang hörte mit einem Schlag auf, als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Erdöl entdeckt wurde. Menschenhändler drangen ein und verschleppten Einheimische, die sie in die Erzgruben Südamerikas verkauften. Dann kamen die Missionare in den gesamten pazifischen Raum, denen es in kurzer Zeit gelang, die Einheimischen zum Christentum zu bekehren und zur Abwendung vom polynesischen Brauchtum zu veranlassen.
Auf den Hawaiinseln hat die Vermischung der Rassen dazu beigetragen, daß man hier kaum noch reinblütige Polynesier sieht. Eine Ausnahme macht die kleine Insel Nihau, die Kauai nördlich vorgelagert ist. Hier leben einige hundert Polynesier abgeschieden von der Umwelt im Stammesverband und in hergebrachter Weise nach ihren Traditionen. Kein Fremder hat Zugang zur Insel.
Die mit den Missionaren in den pazifischen Raum kommenden europäischen Siedler störten die bisherige Ordnung des Zusammenlebens der Eingeborenen. Eine Ausnahme machten die Hawaiinseln, wo bis zum Ende des 18. Jh. ein einheitliches Königreich unter polynesischer Dynastie bestand. Erst 1894 war es damit zu Ende, als der amerikanische Großgrundbesitzer Dole zum ersten Präsidenten der Republik Hawai gemacht wurde. Ein Versuch der letzten Königin Liliukalani, die Monarchie zu restaurieren, scheiterte endgültig 1895.
Auf den drei Inseln Hawai, Maui und Kauai habe ich amerikanische Ordnung und Wohlstand in fruchtbarer Landschaft und mit idealem Klima schätzen gelernt. Gelebtes polynesisches Kulturgut habe ich hier vergebens gesucht.

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