Dr. Dieter Bortfeld
 
   
 

 

Kanarische Inseln: Segelreise und Urlaub an der Atlantikküste

in Familie vom 14. bis 28. November 1998

Bericht von Dieter
Haikus von Melitta

Wenn im November die Herbststürme über Deutschland hinwegfegen, Nebel überraschend die Autobahnen in Geisterbahnen verwandelt und Fußgänger unerwartet auf eisverspiegelten Wegen stürzen,- sollte diese scheußliche Jahreszeit nicht Anlaß genug sein, in die südlichen Breiten nahe der Passatzone auszuweichen und das unwirtliche Deutschland den harten Wikingern zu überlassen?
Ein weiterer Anlaß für die Planung dieser Reise kam für Dieter dazu, und seine so verständnisvolle Melitta sah das genau so: Der dritte Lebensabschnitt hatte nun unwiderruflich für ihn begonnen, in dem man beginnt, Bilanz zu ziehen. Und dabei entdeckte er im Haben den Posten Familie, an Zahl sehr übersichtlich zwar - aber umso gewichtiger in seinem originellen Wert. Cousine Elke mit ihrem Dietrich - die Erzieher und Heimunternehmer - und Cousin Kay - der Professor - mit seiner herzerfrischend pragmatischen Nicole: Dieser so fest zusammenstehende Geschwister-Clan könnte doch zumindest einmal noch in fortgeschrittener Zeit - und in Erinnerung an regelmäßige Sommerfrischen der Familien Huhnstock und Bortfeld in Kühlungsborn, Ostsee, vor sechzig(!) Jahren - einen gemeinsamen Urlaub mit den Pensionisten Melitta und Dieter erleben! Und da alle diese sechs Familienmitglieder- dem lieben Gott sei´s gedankt - sich noch guter Gesundheit erfreuen dürfen, hätte eine solche Reise einen gewissen Abenteuercharakter.
Nachdem Melitta eingewilligt hatte, fand zu Dieter´s großer Freude seine Reiseplanung auch die Zustimmung von Elke´s und Kay´s Familie.
So brachen also alle am 14. November zu nachtschlafender Zeit auf, um mit den Fliegern von Stuttgart, Frankfurt und Hannover nach Gran Canaria / Kanaren zu starten.

Flug, Ankunft und Fahrt auf Brigantine Lili Marleen

Der Abflug von Melitta und Dieter verzögert sich um eine Stunde, weil die mannsgroße Landeklappe an der Tragfläche ihrer Maschine ausgewechselt werden muß. Dann erleidet ein Passagier über Frankreich einen Herzanfall, und die Maschine muß noch einmal nach Hannover zurück. Anlaß genug für Dieter zu der Bemerkung, „alle schlechten Dinge sind drei - es wird noch etwas passieren, und wir werden erst nach Ablegen unserer Lili Marleen in Las Palmas ankommen“. Melitta beruhigt - same procedure as ever.
Bei Dunkelheit kommen die beiden am Flughafen von Gran Canaria an, und der Taxifahrer erkundet den Liegeplatz der Lili Marleen im Hafen von Las Palmas.
Auf dem Schiff herzlicherEmpfang durch Nicole und Kay, Elke und Dietrich; Kapitän Peter Fiedler stellt sich vor. Ein opulentes Diner leitet eine Kette köstlichster Frühstücksbuffets und Abendmahlzeiten im holzgetäfelten Speisesalon ein, die die Kleidung der Passagiere schrumpfen lassen wird.
Am Sonntagmorgen Auslaufen Richtung ENE. Am Montagmorgen Ankunft auf der Reede vor Isla de Lobos, dem im Nordwesten von Fuerteventura vorgelagerten Inselchen. Nach dem Ausbooten im Rettungsboot bleibt Nicole am Strand; Mädi, Kay und Dieter laufen in zwei Stunden um das spärlich bewachsene vulkanische Eiland, vorbei an Leuchtturm und Dörfchen; Elke und Dietrich machen eine ähnliche Exkursion für sich.
Am Mittag trifft sich die Familie, teilweise erschöpft nach dem langen Marsch durch glühende Sonne und trockenen Passatwind ohne Einkehr, an der kleinen Lagune - gerade noch rechtzeitig für ein erfrischendes FKK-Bad im nur 21 Grad warmen Atlantikwasser. Ihr Schiff liegt majestätisch etwa eine Seemeile vor der Lagune in der Straße zwischen Isla de Lobos und Fuerteventura. Nach der Abkühlung schlüpfen alle schnell wieder in die Kleidung und machen sich auf zur nahe gelegenen Anlegestelle, von wo aus gerade der letzte Tender übersetzt zum Schiff. Ein lukullisch ausgerichtetes Mittagsbuffet erwartet die Passagiere auf dem Palaverdeck, und während des Schmauses heißt es „Anker auf“. Alsbald werden Jager,Vorstengestag, Fock-, Untermars-, Obermars-, Bram-, Royal-, Hauptgaffel-, und Besangaffelsegel gesetzt, und die stolze Lili M. läuft unter dem mit guten 3 Windstärken wehendem Passat in Richtung der in Sichtweite gegenüber liegenden Insel Lanzarote. Am frühen Abend geht das Schiff unter Maschine in der Nähe der Hafeneinfahrt von Playa Blanca/Lanzarote auf Reede.
Dienstagmorgen Ausflug der ganzen Familie in zwei Taxis in den N.P. Timanfaya, wo am wuseligen Eingangsplatz der Bus zur Rundfahrt durch die erst 260 Jahre alte Vulkanlandschaft genommen wird. Automatische Ansage, Requiemauszug und apokalyptische Klänge bilden die akustische Untermalung der atemberaubenden Blicke auf das schwarze bergige und schluchtige Werk der sechs Jahre lang wütenden zerstörerischen und Lavagipfel aufbauenden Kräfte; seit einem zweiten Ausbruch 1824 gibt der Vulkan Ruhe. Niemand darf den Bus verlassen; nur die Vulkanologen und Ranger haben Zutritt zu dem N.P.
Auf der Heimfahrt Einkehr in einer Bodega, an der Geria, der Weinstraße, gelegen, die von schwarzen Weinfeldern umgeben ist, in denen die am Boden wachsenden Rebstöcke in vertieften Kuhlen angesiedelt sind - zum Schutz gegen den heftig wehenden Passat.
Am späten Abend verläßt die Lili M. die Reede von Playa Blanca / Lanzarote unter Maschine, um entlang der Westküste von Fuerteventura in Richtung Südkap von Gran Canaria zu motoren. Die Luft ist milde, und das fast 800 Tonnen schwere Schiff gleitet mit erträglichen Bewegungen über die achterlich auflaufende See.
Melitta verholt sich im Wissen um ihre Anfälligkeit für Seekrankheit vorsorglich in die Koje. Sie, die diese Seereise als Opfer für das Zusammensein mit der Familie auf sich genommen hat, wird mit der fortan konsequent durchgehaltenen Horizontalstrategie die einwöchige Segelreise unbeschadet durchstehen.
An Bord haben sich inzwischen von Symphatie und Interesse bestimmte Gesprächspartnerschaften gebildet. Der griechische Philosoph, von seiner Lebensführung her auch als angenehmer betagter Playboy zu bezeichnen, hat sich an Kay gewandt, der seinerseits mit überzeugender Bereitschaft tiefsinnige Erörterungen über Grenzfragen des Lebens mit jenem goutiert. Melitta und Nicole gehören sehr bald zu dieser elitären Gesprächsrunde.
Dann ist da der beredte Bank-Anwalt (in zweiter Ehe mit einer gut aussehenden jungen Frau verheiratet, über deren persönliches Niveau die Ansichten der Familie weit auseinander gehen), der sehr locker und offen auf viele Passagiere zugeht und doch am meisten interessiert scheint an der üblichen Selbstdarstellung gegenüber dem Bortfeld- Huhnstock- Rehm-Clan. Dieter gegenüber wirbt er um Zustimmung zu seinem - wie er meint - allumfassenden und zutreffenden Statement der aktuellen Politik und Wirtschaftslage. Dennoch: Ein fröhlicher, vitaler und charmanter Endsechziger (von denen es einige mehr an Bord geben mag). Ein von ihm an Nicole überreichter Rosenstrauß für eine kleine Hilfeleistung bestätigt dieses Urteil.
Elke und Dietrich sind durchlässig für Schwätzchen mit vielen freundlichen Mitpassagieren. Dieter dagegen zieht es ständig zu Mannschaft und Offizieren des Schiffes, von denen er begierig Informationen einholt über die Segelpraxis mit dieser Brigantine. Es ist nach fünfzigjähriger Segelpraxis auf Binnenseen, Ostsee, Nordsee, Kanal, Mittelmeer, Nord- und mittlerem Atlantik das erste Mal, daß er auf einem Rahschiff, wenn auch nur als paying guest, mitfahren darf. Und sie alle beantworten bereitwillig seine „very interesting questions“.
Unter den Passagieren findet Dieter sehr bald Segelnarren: Das Ehepaar aus Steinhude, das auf der Ostsee eine Yacht segelt; ein anderes Ehepaar, das seine Törns am liebsten auf dem Blauwasser von Karibik und Mittelmeer durchführt. Dann ist da der etwas kauzige Herr, der am meisten an diesem Wassersport anscheinend die rasante Weiterentwicklung der Navigationsmittel schätzt, denn er spricht nur davon und führt ein handliches GPS-Instrument auch an Land ständig mit sich, das ihm auf Knopfdruck seinen Standort nach Breite und Länge anzeigt.- Schließlich verdient der bedauernswerte Segler Erwähnung, dessen Frau nie segelt und die ihm nicht einmal an Bord der Lili M. folgte.
Als das Schiff um 8 Uhr des Mittwochmorgen etwa 3 sm vor der Südspitze von Gran Canaria steht, läßt der Kapitän - nur so aus Jux und Tollerei - die beiden schon erwähnten Vorsegel, alle fünf Rahsegel, die beiden großen Gaffelsegel und zusätzlich noch die Toppsegel an Groß- und Besanmast setzen. Dieses Manöver wird von einem Offizier auf dem Vorschiff für den Fockmast und einem weiteren Offizier auf dem Achterdeck für Haupt- und Besanmast geleitet. Beide Offiziere legen selbst mit Hand an. Die wesentliche Decksmannschaft besteht aus vier Polen und einem Ukrainer. Es ist faszinierend, mit welcher Sicherheit und Geschwindigkeit die Männer ungesichert an den steilen Strickleitern die mehr als 30 Meter hohen Masten erklettern, um an Rahen und den Topps von Groß- und Besanmast die die Segel zusammenhaltenden Zeiser zu lösen (bzw. bei Bergen der Segel die Zeiser zu befestigen).
Unter Segel läuft die Lili M. jetzt etwas ruhiger als zuvor mit Maschinenkraft, die Fahrt beträgt etwa 8 Knoten, und man hört auf Deck nur das Rauschen der Bugwelle. Ein Glücksgefühl stellt sich ein: Ein so schweres Schiff macht ausschließlich unter Nutzung der Windenergie solch eine Speed!
Nach zwei Stunden führt der Kapitän ein Wendemanöver durch: Er steuert durch den Wind, während Decksoffiziere und -Mannschaften an Brassen und Schoten die Stellung von Rahen und Segeln verändern und mit backgestelltem Besangaffelsegel die Drehbewegung des Schiffes unterstützen. Das Schiff segelt nun den gleichen Weg, den es die letzten 2 Stunden bis hier gemacht hat, zurück - mit Kurs auf Puerto Mogán. Ein Segeln ist´s also tatsächlich just for fun!
Man sieht Maspalomas voraus wieder näherrücken, und die umsichtige Nicole weiß auch schon um die Lage des Resorts, in dem die Familie nach der Segelreise für eine Woche unterkommen wird, „links vom Leuchtturm“.
Als das Schiff mittags in die Landabdeckung gerät, läßt der Kapitän die Segel bergen; die Rahsegel werden mittels der Geitaue aufgeholt, Schoten und Falle von Vor-, Top- und Gaffelsegeln werden gefiert, und schließlich setzen die Polen hoch oben die Zeiser auf Rah- und Topsegel. Unter Maschine kommt die Lili M. am frühen Nachmittag auf der Reede vor Puerto Mogán im SW von Gran Canaria an.
Nach dem Ausbooten bummelt die Familie im sehr hübschen, erst in jüngster Zeit um den Hafen erbauten Dorfteil - mit Ausnahme von Dieter, der zunächst mit dem Seglerehepaar aus Steinhude im deutschen Eckkaffee einkehrt und sich dann telefonisch bei den ehemaligen Mallorca-Nachbarn Stäcker ansagt; mit einer Gruppe von Teilnehmern an einer internationalen Friseurtagung steigt er in einen Taxibus. In Arguineguín, kurz hinter Puerto Rico, verläßt er diese lustige Gesellschaft, um einen sehr gesprächsintensiven Nachmittag mit Sylvia und Klaus in deren elegantem Apartement in der Anlage Montemarina zu verbringen. Die beiden bringen ihn mit ihrem Wagen zurück nach Mogán.
Anker auf am Abend. Unter Maschine nimmt die Lili M. Kurs auf das Südkap von Tenerife. Wieder folgt eine verhältnismäßig ruhige und milde Nacht bei klarem Himmel, der bei der nächtlich bewußt spärlich gehaltenen Decksbeleuchtung eine gute Beobachtung der Sterne zuläßt.
Am Donnerstagmorgen legt die Lili M. an der Pier von Los Cristianos auf Tenerife an, wo Dieter einen langen Spaziergang auf der Strandpromenade unternimmt. Er muß Slalom gehen, denn es wimmelt von deutschen und englischen Touristen, auch hört man oft Italienisch und slawische Sprachen; alle Altersklassen sind vertreten, von Ehepaaren mit Kindern bis zur Rollstuhlgeneration.
Zur Meerseite liegen die für Tenerife und auch Gran Canaria typischen Strände aus braunem Sand und schwarzem Lavastaub. Sauber gehalten und mit Sonnenschirmen, Liegen und Holzplankenwegen ausgestattet sind diese Röststationen, die zu dieser Tageszeit schon massenhaft aufgesucht werden.
Die andere Seite der endlosen Strandpromenade ist gesäumt von zweistöckigen, recht hübschen weißen Apartementgebäuden, deren Erdgeschoß oft Restaurants, Kaffees und kleine Läden enthält. Diese Bebauung wird manchmal unterbrochen von geschmackvollen Luxushotel-Anlagen mit kostbar ausgestatteten Swimmingpools, in deren Mitte hohe Wasserfontänen für angenehme Atmosphäre sorgen. Man stellt sich die Bauweise in den großräumigen Siedlungen der arabischen Emirate so vor.
Alle Gebäude weisen schmale Einfassungen mit Rasen und in bunter Pracht blühenden Bougainville, Hibiskus und flach stehenden Blumen auf. Außerhalb dieser intensiv bewässerten Zonen beginnt übergangslos die braune Wüste, die so typisch für den Südteil der Inseln Tenerife und Gran Canaria ist.
Nach 7 km Fußmarsch hat Dieter fast das Ende der schrecklichen Touristensiedlung Playa de las Americanas erreicht. Er kehrt um und gelangt nach einem erfrischenden Bad im kühlen Atlantik rechtzeitig vor dem Ablegemanöver wieder an Bord, wo er auf Melitta, Elke, Nicole, Kay und Dietrich trifft. Sie haben die Zeit zu einem Bummel im Ortskern von Los Cristianos mit Einkehr in einem Kaffee und kleinen Einkäufen genutzt.
Bald nach dem Auslaufen aus dem Hafen ertönen laute Rufe auf dem Deck, „Wale!“ Der Cäpt´n nimmt die Fahrt aus dem Schiff, und Passagiere und Besatzung genießen ein schönes Naturschauspiel: Mehrere kleine Gruppen von bis zu fünf Meter langen Grindwalen sind es, die nur einen Steinwurf entfernt von Zeit zu Zeit langsam aus der Tiefe auftauchen, sodaß man ihre mächtigen Rücken samt Rücken- und Schwanzflosse sehen kann. Der Kapitän sagt, erst seit einigen Jahren sei diese Walkolonie in diesen Küstenbereich zwischen Tenerife und La Gomera eingewechselt.
Die Lili M. umrundet das Südkap von Tenerife und geht in der Nacht weiter unter Maschine an der dichtbesiedelten Ostküste dieser Insel entlang nach Santa Cruz de Tenerife, wo das Schiff in der Morgenfrühe des Freitag im Hafen anlegt.
Dieter heuert noch vom Schiff aus zwei Taxis an, mit denen die Familie sich zunächst auf der Autobahn in Richtung La Laguna fahren läßt; von der Ausfahrt geht es auf die durchs Land führende C 824, die sich allmählich höher und höher durch dichte Wälder von canarischen Kiefern schlängelt, dann und wann den Blick freigebend auf die tief unten im Norden liegende Küstenebene von La Orotava und Puerto de la Cruz. Schließlich nur noch braune Vulkanschlacke ringsumher - und der majestätische, 3717 m hohe Teide voraus in seiner typischen Spitzkegelform. Ein Schneefeld an seinem Nordhang ist zu sehen. Oben tobt ein kalter Wind, der den Betrieb der Seilbahn zur 3500 m hohen Bergstation unmöglich macht. So gelangt die Familie nur in etwa 2.500 m Höhe an die Talstation.
Die Rückfahrt geht über das schöne Orotava, wo am Haus der Balkone eine Rast eingelegt wird. Frangipanibaum mit weißen Blüten, kleine Mühle mit Mehlverkauf, Zigarrenherstellung, Einkauf von kanarischen Stickereiarbeiten. Auf der Weiterfahrt ein Stop in einer ganz ländlichen Bodega zu Frischkäse und Rotwein.
Bald nach dem Ablegen von Santa Cruz de Tenerife um 15 Uhr werden die Segel gesetzt. Ein gleichmäßiger Passat (NE) in Stärke 3 bis 4 trägt die Lili M. auf die Mitte der Küste von Gran Canaria zu. Nach Mitternacht werden die Segel geborgen, und die Lili M. läuft am frühen Samstagmorgen in der Begleitung eines Lotsen - wie auch in allen Häfen zuvor - unter Maschine in den Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria ein.
Hier werden für die Familie sogleich zwei Taxis angeheuert, die zu einer atemberaubend schönen Fahrt quer über die Insel starten: Zunächst nach Arucas im Westen und die nahegelegene Erhebung mit Aussicht über den Norden der Insel; weiter in den am Hang eines Barranco gelegen Jardín Canario, wo oben im ländlichen Gasthaus eine Brotzeit eingelegt wird; danach durch den vornehmen Villenort Tarifa (mit oasenartig in die hügelige Wüste eingebettetem Golfplatz) zum Mirador de Bandama, von dem aus man das nördlich gelegene Las Palmas gut einsehen kann und der außerdem einen großartigen Blick erlaubt über das mächtige Zentralgebirge der Insel, das nun zu durchfahren ist.
Durch Vega de San Mateo und die geschützten, schon im Gebirge liegenden Fruchtgärten von Las Lagunetas geht die Fahrt weiter bis zum Cruz de Tejeda, wo eine Rast eingelegt wird. Man sieht von hier aus den über den Wolken der Nachbarinsel Tenerife liegenden Teide!! Wieder einmal gibt sich dieser höchste Berg Spaniens als Majestät! Der zweithöchste Gipfel von Gran Canaria, Roque Nublo (1817m), ist gut zu sehen. Es ist der stehengebliebene Magma-Kern eines Vulkanschlotes, der sich genau im geographischen Zentrum der Insel befindet.
Die Fahrt führt weiter auf den Pico de las Nieves (1949m), die höchste Erhebung von Gran Canaria. Über Ayacata geht es dann nach San Bartolomé de Tirajana, die Kreisstadt, zu der auch Maspalomas gehört. Und jetzt beginnt der eindrucksvolle Teil der Fahrt durch den Barranco über Fataga bis Maspalomas: Wüsten auf beiden endlosen Hängen, unterbrochen dann und wann durch Oasen von Fruchthainen, wie die von Fataga. Auffallend sind die vielen jungen Mangoanpflanzungen. Man wird sich freuen dürfen auf frische Mangos von den Kanaren in den kommenden Jahren.

An der Atlantikküste

Die Ankunft im Hotel stimmt erwartungsvoll: Es erhebt sich wie ein marokkanischer Königspalast aus der Wüste am Meer. Hinter dem weißen Hauptgebäude mit Ziertürmen und Zinnen stehen an der Meerpromenade die kubischen Häuser mit insgesamt 4 bzw. 8 Suiten im Parterre und im 1. Stock. Die Häuser sind um einen großzügigen und schönen Swimmingpool herum in einer sehr gepflegten, weiträumigen Gartenanlage angeordnet.
Falls die Schiffsreise anstrengend gewesen sein sollte - in dieser Luxusunterkunft kann man sich wirklich erholen! Die Familie bezieht drei nebeneinander liegende Suiten im Parterre eines in zweiter Linie vom Meer stehenden Hauses. In der Nacht hört man durch die geöffnete Terrassentür die Brandung des Atlantiks gegen die Südspitze von Gran Canaria donnern.
Die Tage dieses zweiten Teiles der Familienreise verlaufen gleichmäßig: Elke und Dietrich genießen am Morgen das lange, ungestörte Ausschlafen und anschließendes Wandern am Meer und durch die Dünen. Nicole und Kay, Melitta und Dieter stehen früh auf, um nach dem auf der großen Terrasse eingenommenen reichhaltigen Buffet-Frühstück ans Meer zu gehen. Dieter absolviert zunächst sein tägliches Bewegungsprogramm in Form einer Wanderung entlang dem Sandstrand und den hohen, völlig pflanzenlosen Dünen von Maspalomas mit anschließendem Baden in der wilden Brandung. Melitta, Nicole und Kay suchen den „keltischen Kreis“ auf, eine kleine Steineinfassung am Geröllufer in Hotelnähe. Ein Gesellschaftsspiel wird bald leidenschaftlich von den Dreien betrieben, das Erfinden von Haikus. Melitta hat soviel Freude an diesem Spiel, daß sie mehrere dieser formgebundenen japanischen „Bilder“ entwirft und Dieter dazu autorisiert, vier davon in diesen Bericht aufzunehmen:

Gespräche am Strand
Sand weht, Mittagssonne glüht
wohlige Ruhe

Alles wird von allen bewußt genossen; die Fähigkeit dazu ist sicher eine der charmanten Charaktereigenschaften dieser Familie.
In der wüstenhaften Dünenlandschaft am Südkap von Gran Canaria könnte man jedoch auf ein Wetterphänomen gut verzichten: Spätestens um 10 Uhr am Morgen fängt der kühle Nordost an zu blasen, und das in kurzer Zeit schon mit vollen 5 Windstärken. Der feine Sand massiert den Körper, setzt sich überall fest und dringt in Nase und Augen. Sehr lästig! Und die vom Passat aufgeworfene See erzeugt Brecher und eine so starke Strömung, daß auch bei auflaufendem Wasser ein richtiges Schwimmen nicht angeraten erscheint.

Schaumige Zungen
wiederkehrender Welle
lecken schwarzen Stein

Am Abend spätestens trifft sich dann die ganze Sippe um 18 Uhr zum großartigen Diner vom Buffet. Die ersten Tips kommen immer von Nicole, die mit einem Gang durch die lange „Freßzeil“ schnell den Überblick über neu angebotene Genüsse gewinnt. Kay konzentriert sich vor allem auf die Auswahl des Weines; Elke und Dietrich genießen hemmungslos; Melitta freut sich vor allem mit den Augen, während Dieter - wie man das ja kennt - unmäßig zuschlägt, Berge von Gemüse und Salaten anschleppt und außerdem einen überladenen Teller mit Ananas (von den westlichen grünen Inseln), Papaya, Kiwis und Kakis sicherstellt. Ein köstlicher Tinto aus Lanzarote wird gern getrunken, in dem man die von der schwarzen Lava der Weinkuhlen reflektierte Sonne zu schmecken meint.

Blumen und Kerzen
festliche Gäste im Saal
Wein schimmert im Glas

Nach dem bacchantischen Festmahl kommt man zusammen bei Kay oder bei Dietrich zu interfamiliärem Austausch, der begleitet ist von Wein und Smoke.
Einmal raffen sich Nicole und Kay, Melitta und Dieter zu einer Taxifahrt in den Barranco de Chamoriscán auf, in den der Parque Palmitos eingebettet ist: Zwischen Kakteen, Aloe und all den Pflanzen, denen man immer wieder begegnete auf der Reise, sind im Schmetterlingshaus, in der Orchideensammlung, im Aquarium und in der kleinen Anlage mit den Kolibris die sorgfältig zusammengestellten Exponate zu besichtigen.
Die Tage in der Hotelanlage mit Wohnhäuschen inmitten der großzügigen Gartenanlage, in der jeder Einzelne der Familie sich geborgen fühlte wie in dem Resort einer Insel irgendwo im Pazifik, die Woche, in der man unbeschwert die Nähe zum Ozean, das großräumige Klima, den unglaublichen Komfort und topgestylten Service genoß - diese schöne Zeit geht zu Ende. Am letzten Abend begeben sich alle drei Paare der Familie - in weiße Bademäntel verhüllt - zu nächtlicher Stunde ans Meer. Im „keltischen Kreis“ werden Kerzen entzündet, und bei Rotwein, Käse und Weißbrot wird im Anblick der herandonnernden Atlantikwellen Abschied gefeiert.

Nachtzauber am Meer
weiß leuchtet Gischt im Mondlicht
Freunde im Kreis. Glück!

Am nächsten Morgen brechen Nicole und Kay, Elke und Dietrich schon früh zum Airport auf. Dieter findet noch Zeit, im Zimmer Buch zu führen über diese Reise. Er und Melitta haben für sich ein neues, interessantes Gebiet auf unserer schönen Erde entdeckt; und sie sind dankbar für die vielen Anregungen, die von dieser Reise ausgehen werden. Am größten für beide ist das Erlebnis der Familie, die in dieser Sechser-Zusammenstellung bisher noch keine Erfahrungen miteinander hatte, und die dennoch in diesem „fortgeschrittenen Lebensalter“ sich so in Harmonie und Bortfeld´scher Erlebnisfreude gegenseitig entdecken konnte.

 

 

   

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