Naturelemente
IM STROM
Ein Knabe aus dem Abendland
geht wieder mal an Flüßchens Strand,
das recht genau er meint zu kennen.
Er kann fast jeden Strudel nennen.
Da sieht er an des Flüßchens Knie
etwas, das er entdeckt´ noch nie:
Ein Wirbel geht dort, silbern hell,
der nähert und entfernt sich schnell,
verändernd stets seine Gestalt,
ist Frau - und himmlisch Sphäre bald;
mal naht er sich mit Engelsstimm-
tief rauschend geht er wieder hin.
Der Jüngling am Ufer steht da ganz verzückt,
sein gestriges Leben scheint ferne entrückt.
Er kann und er will nicht mehr dem widerstehn,
entschließt sich, ins lockende Wasser zu gehn.
Der Wirbel nimmt ihn bald zärtlich auf,
entführt ihn schnell auf des Flüßchens Lauf.
Und Dörfer und Städte, sie ziehen dahin.
Der Knabe bestaunt es mit fieberndem Sinn.
Das Land, wie er es bisher gekannt,
ist bald aus forschendem Blick gebannt.
Und fern aus der Großstadt erhebt sich ein Dom.
Das Flüßchen, es hat sich gewandelt zum Strom.
Der Knab wird umspielt nun und zärtlich gekost
vom säuselnden Wirbel - dann rauschend umtost.
Er sieht schon kein Land mehr. Allmählich er spürt,
daß dieser Strom sein Schicksal nun führt.
Mag treiben er ihn - ohn´ Hoffnung auf Rückkehr
hinaus auf das Weltmeer. Es fällt ihm nicht schwer,
was war und was ist daranzugeben,
um nur noch im Urelement zu leben.
STURM
Der Segler kennt des Sturmes Tücken,
wenn mitten in der Deutschen Bucht
bei Strom und See ihm nicht will glücken
die Fahrt in Häfen, die er sucht.
Statt Sonnenbaden: Friesennerz.
Statt „Buhne 16“: Segelbergen.
Schönwetter-Spi wirkt wie ein Scherz.
Gelüst´ auf Limfjord-Muscheln sterben.
Dann stellt´s Azorenhoch sich ein -
mit ihm die Ruh. Die Sicht wird klar.
Das Schiff läuft in den Hafen ein.
Vergessen, was an Sorgen war.
Auch Gutes hat der Sturm gebracht:
Erlösung trug´s dem Segler ein
von Ängsten - hat ihn stark gemacht.
Mög´ es im Leben auch so sein.
ZUGVÖGEL
Metallisches Schreien ertönt über dem zugefrorenen See. Wildgänse
sind es; sie streben sonnigen Gefilden zu.
Sie fliehen dem nordisch ungastlichen Winterweh,
verlockt vom warmen Land, in dem vor Frost sie finden Ruh.
Sehnend erwacht mir der Wunsch: Mit ihnen möchte ich zieh´n,
verlassend die rauhe, gefühlsarme Wirklichkeit;
dorthin, wo Menschen warmherzig lachen, Orangen nun blüh´n ,
wo Lichtes Fülle und Wärme bewahrten die Menschlichkeit.
NOVEMBER IM WINGERT
Wenn Niedersachsens Stürme rauschen
und um sich greift Beklommenheit,
den herben Charme des Nordens tauschen
wir gern für Südens Herzlichkeit.
Die Jäger zogs dorthin, wo Hasen
gehören noch zum Wildbestand.
Hubertusjagd ward angeblasen.
Gering man dann die Strecke fand.
Doch, was der Kreis der Freunde suchte,
wenn karg und herbstlich wurd´s zuhaus:
Er fand es, wenn nach hier er buchte.
Mit Sorg´ und Miesgram war es aus:
Gebettet in des Wingerts Hänge
liegt das Dorf - darin das Gut.
Der Gespräche fröhlich Klänge
bezeugen aller Lebensmut.
Im Keller wird der Wein verkostet,
der Zeugnis gibt von Winzers Fleiß.
Der Zecher, der mit Witz hier prostet,
erhält der Runde ersten Preis.
Am nächsten Tag, bewährter Weise,
wird auf der Jagd die Prob´ gemacht,
ob Jägersleut sind klug und leise -
ob der Fasan als Letzter lacht.
Bei Schmaus und Wein nach froher Waid
blühn wieder die Gespräche dann,
die münden oft in Hitzigkeit,
die Winzers Frau nur kühlen kann.
Für noble Gastlichkeit ich danke.
Zwar: Schlechter Schütze im Revier,
hält dennoch hoch mich der Gedanke,
daß heut ich Rosenkavalier.
STEINHUDER MEER
Scharf fassen die Kufen das Eis auf dem See;
mein Segelschlitten rast lautlos dahin.
Die Ufer und Menschen sind weit. Eine Bö
treibt schneller den Schlitten. Ganz glücklich ich bin.
MIT FREUNDEN IM SCHNEE
Der Himmel tiefblau,
hell glitzernd der Schnee.
Was bisher schien grau:
Hier löst es sich jäh.
In tollkühnem Sinn -
treulos den Lieben -
jag´ talwärts ich hin.
Schneefahnen stieben.
Wenn wir sind am Abend
im Freundeskreise -
am Roten uns labend -
dann laut ich preise:
Den Frohsinn am Berg,
die Freude am Trank
mit Gleichgesinnten.
Ihr Freunde, habt Dank!
MIT DEM WINZER IN ST.MORITZ
Wer vertraut auf „Herrgottspfad“
im Leben und beim Weine;
wer auf „Sonnenberger“ Grat
mit Ski und Dry Sekt stärkt die Beine:
Wer dies genoß in heit´rer Runde,
Freude gebend, nehmend ganz,
hat´s gut gemacht in jeder Stunde!
Honnis soit qui mal y pense!
ALPINER WINTER
Wenn klirrende Kälte den Hauch läßt erstarren,
schnür´ enger den Mantel. Der Lammpelz schützet auch Dich.
Doch wisse: Es wird Dir alpiner Winter nicht schaden.
Die Reinheit der Luft, die tausendfach zurückgeworfenen
Strahlen der Sonne:
Bringen sie Licht und Klarheit nicht auch Deinen Gedanken?
Die Weite der glitzernden Flächen: Öffnen sie nicht auch Dir
Seele und Sinne?
Welch´ herzliche Freude durchpulst doch uns Eltern,
wenn unsere Kinder sich wälzen mit Wonne im Schnee,
wenn Jugend jauchzend entschwindet talwärts auf pulvrigen Pisten !
Sieh, dort auf der Fichte erstrahlen im Sonnenlicht die
funkelnden Schneekristalle -
schöner als gleißende Diamanten, Smaragde, Saphire, als
rotglühende Rubine selbst.
Wenig nur in der Welt gewährt größere Lebenslust als alpiner Winter.
FRÜHLING
Schrecklich war die Winterzeit.
Herz und Seen erstarrten.
Endlich ist zu End das Leid.
Lohn gibt´s nun fürs Warten.
Wiesen, Saaten - ganz in Grün -
locken Lerche, Kiebitz.
Sträucher, Bäume duftig blühn.
Den Jäger reizt der Ansitz.
Zilpzalp, Amsel und der Rotschwanz
singen Dir ein fröhlich Ständchen.
Auf dem See sich sucht die Graugans
balzend, schnatternd Graugans-Männchen.
Der Frühling macht die Türe auf
hinein ins volle Leben.
Den Jäger freut der Jahreslauf,
der Lebenslust wird geben.
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