Mittelmeer
CALA BLAVA IM HOCHSOMMER
Wenn die Zikaden zirrend ertragen
die schreckliche Kraft der glutenden Sonne,
die Menschen und Tiere ängstlich nur wagen,
zu lassen des Schattens erquickende Wonne.
Erstorben sind jetzt der Vögelein Lieder.
Dem Dichter sind Kopf und Feder so schwer.
Aus Häusern hallen Sevillanas nicht wieder,
die andalusische Mädchen brachten hierher.
Doch dann wird es Nacht. Die labende Kühle
belebt das Gemüt und erwecket den Geist.
Die Musen erwachen. Im Rausch der Gefühle
der Sänger den Zauber des Ortes laut preist.
Oh, Cala Blava, Du Stätte der Freude
von duftenden Blumen und heiteren Herzen!
In Dir bin ich glücklich und spüre kein Leide.
Hier gibt es nur Frohsinn; vergessen sind Schmerzen.
SÄNGERWETTSTREIT IN CALA BLAVA
1.
Euch Freunden, gestern angekommen,
ertön ein herzliches Willkommen.
Erholt Euch gut in diesem Kreis.
Erlaubt das Reimen um den Preis.
Beim morgendlichen Wettgesang
sei niemand vor dem Dichten bang.
Besingen wir, was schön im Leben!
Laßt jeden seinen Beitrag geben!
2.
Nach kühler, vom Monde regierter Nacht,
erobert aufs Neue die Sonne die Macht.
Mit gleißendem Licht und dröhnender Glut
bedroht sie den nächtlich gewonnenen Mut.
Aus der Pinie hell schnarrend ein Lied erklingt,
und bald schon ringsum aus den Bäumen dringt
das von erregten Zikaden stammende Lärmen.
Vor dem Tod noch von hitziger Liebe sie schwärmen.
Auch uns bringt der Tag -
so heiß er sein mag -
in Sonne und Meer erlebte Freuden.
Des Sängers Loblied drum gelte den beiden.
3.
Deutschland wurd´ nicht Fußballmeister.
Das ließ Sängers Mut verzagen.
Schweigsamkeit drum heute preist er.
Montagswort wird er nicht sagen.
AN UNSERE NACHBARN IN CALA BLAVA
Ein benvinguts entbieten wir
von unserem Asyle hier
Euch, die Ihr lang mit angeschaut,
wie dies Juwel wir aufgebaut.
Das Häuschen wuchs, aus Fels ward Garten.
Schnorchler, Segler, Surfer starten
heut von hier im Übermut.
Dem Weibchen tut das Schwimmen gut.
Wie Pinien ihre Wurzeln schoben,
so sind wir fest hier eingewoben
in Ort und Platz und in die Herzen
von Euch. Vorbei der Großstadt Schmerzen.
So haben wir hier Glück gefunden,
dem genius loci fest verbunden.
Was auch geschieht - wir bleiben treu
der Cala Blava stets aufs neu.
HACE VEINTE ANOS
Huyendome de ciudad
encontré por casualidad
un solar de roca cerca de Palma
bien situado en la bahia de calma
No nos quedamos solos aqui;
Venían muy pronto las dos Mari
con Mario y Guillermo. Cumplían por fin
Paco y Barbara el círculo Mallorquin.
La roca nos daba sitio para flores
que nos trajeron muchos colores.
El mar, como siempre, nos da ilusion
ofreciendo suave o fuerte cancion.
En los veinte anos pasados
mucho ocurió: Muerte y bautizos.
Viven hasta hoy por buena suerte
las raíces de amistad mas fuerte.
VENEDIG
Schwer atmend, voll im Silberglanz
des kalten Himmels, der Lagune,
entführt dem Allgewohnten ganz
Dich diese Welt von altem Ruhme.
Der Canal Grande quirlt und lebt,
Gondeln und Vaparettos drängen;
und jedes Boot geschäftig strebt
aus des Gewimmels quälend Engen.
Ein Totenschiff, Blumen belegt,
mit traur´gem Kurs auf San Michele
im schwarzverhüllten Sarge trägt
den Körper der entschwund´nen Seele.
Vom Campo tönt die Kinderschar,
die fröhlich nutzt den Platz zum Spielen.
Und Hand in Hand das Liebespaar
der Seestadt Zauber möcht´ erfühlen.
San Marco strahlt im Goldesglanz,
Palazzi schmücken Prachtfassaden.
Europas Kunst erscheint Dir ganz
in dieser Stadt,- fast überladen.
Ägyptens Säulen stehen da;
der Delos-Löwe die Werft bewacht.
Und aus Byzanz die Quadriga
und Weihgefässe sind gebracht.
Erhaben,wuchtig türmt sich auf
als Machtsymbol des Dogen Palast.
Und nebenan, im Kerkerhaus,
spürst heut´ Du noch des Elends Last.
Die kalte Bora zaubert Licht,
taucht weites Ufer ganz in Helle.
Doch treffen seine Strahlen nicht
der engen Gassen finstre Hölle.
Hier, im dunkelen Gewirre
von Brücken über Schmutzkanälen,
hasten Menschen. Durch die Irre
rufend Lastträger sich quälen.
Oh Stadt, so elend und erhaben
nie Ähnliches auf Erden war.
Wie schreckst Du ab,- wie kannst Du laben,
Verfluchte, schöne Venezia.
MUSCHELN VOM LIDO
Zum Zeichen, daß ich Dein gedacht,
hab ich Dir etwas mitgebracht:
Die Muscheln von des Lido Strand.
Bewahre sie als bleibend Pfand!
Die schwarzen mögen gelten wohl
als der Familie Kraftsymbol:
Wie Festungen aus dunklem Stein,
so stark solls Sippenband stets sein.
Die Farbe Weiß laß dafür stehen,
daß viel im Leben kann geschehen.
Doch Hoffnung grüne stets am Ende.
Auf eine positive Wende!
Sonne und Eros uns erscheinen
in Gold und Rosa - will ich meinen.
So frisch vom Strand biet´ ich Dir dar
die Farben der Venezia.
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