Dr. Dieter Bortfeld
 
   
 

 

Feste

 

SONETT AN UNSERE GÄSTE

Wenn Frühjahrsstürme uns umtosen
und noch so weit des Sommers Rosen,
dann laden wir zu Schmaus und Wein
uns gerne liebe Gäste ein.

Und wieder heut - in diesem Kreise -
ich froh der Güter höchste preise:
Die Männerfreundschaft, Musenkult,
der lieben Frauen zarte Huld.

Daran, Ihr Freunde, laßt uns laben,
auch an der Hausfrau Kochkunst-Gaben,
daß höher unsere Seelen schwingen.

An Schönem wollen Spaß wir haben,
das Bild vom Eros in uns tragen!
Hierauf laßt hell die Gläser klingen!

 

WEIHNACHT

Weihnachten. Fest der Geschenke?
Die Tochter hat ´ne andre Denke.
Der Vater steht ihr da voll bei.
Die Mutter findet das sehr dry.

Geschenke hin Geschenke her.
An Steuern soll man sparen mehr!
Drum Paps auf Tochter überträgt
die Aktien, die er lang gehegt.

Darunter auch die Mannesmann.
Sie stehen gut, man glaubt daran;
viel mehr noch als an Weihnachtsmann,
der heut zuhaus nichts landen kann.

 

POLTERABEND

Sehr nützlich ist der Polterabend:
Für alle Gäste köstlich labend;
das Brautpaar zwingt den Poltergeist,
der Jahre später dann zumeist
gern stört das eheliche Glück
und bringt ins Haus viel Mißgeschick.

Daß guter Geist das Paar geleite
und immer steh ihm treu zur Seite;
daß Brot und Salz ihm niemals fehle -
auch nie die Liebe, Kraft der Seele!
Das wünschen zwei, die sehr erfahren
in Ehedingen schon seit Jahren.

 

88-STER GEBURTSTAG

Vereint sind hier zum Jubelfeste
der Freunde und Verwandten Clan.
Zu feiern gilt´s die allerbeste
Mutter, die man haben kann.

Sie hat, herzlich geliebt von allen,
heute vollendet noch ein Jahr.
Drum sollen jetzt die Korken knallen
auf das was ist, und das was war.

Ins Kaiserreich ward sie geboren.
Die Diktatur hat sie erlebt,
nachdem die Republik verloren.
Von Kriegen hat die Welt gebebt.

Die Mutter dennoch gut erhielt sich.
Sie hat erreicht ein hohes Alter.
Die Jahreszahl heißt 88;
erwähnt wird sie in Psalm und Psalter.

Welch´ magisch´ Zahl: 4 Kreise laß steh´n;
nimm 4 mit 2 - und nochmals mal,
schreib´ die Produkte! Du wirst seh´n:
Erscheinen wird dieselbe Zahl.

Die Zahl dreh´ links und dreh´ nach rechts,
Stell´ auf den Kopf und wieder gerade!
Stets gleich bleibt sie. Und - auch nichts Schlecht´s:
Symbol „unendlich“ tritt zutage.

Unendlich soll´n die Wünsche sein,
die alle Mutter heute sagen.
Wir bitten: „Laß uns nicht allein,
solang Dein Leben Du kannst tragen!“

 

EIN RAP AUF EINEN JUBILAR

Der Sippe, Freunde große Zahl
batest Du heut in diesen Saal
zum hochgestylten Festesmahl:
Hors d´oevre, Dessert, Lamm und Aal
werden serviert auf Provencale
zur Feier: Wahrlich optimal!

Geburtstag! Fünfundsechzigmal
schon war er; welche gute Zahl!
Gelebte Zeit, phänomenal:
Privat, mit Freunden: Jovial,
stets liebenswürdig - kein Skandal -
und juvenil, nie pastoral;
im Amte immer genial
mit guten Nerven wie aus Stahl.
Mit einem Worte: Optimal!

Ab heute stehst Du vor der Wahl:
Bleibt Jus zu dienen ideal?
Wird süßes Leben ohne Qual
von Streß-Prozessen jetzt real,
mit Reisen, auch mal ganz global
von Terminal zu Terminal?
Wir wähnen Dich universal,
der weiter geht bilateral.
Wir wünschen Dir nun ganz verbal:
Dein Leben bleibe optimal!

 

SECHZIG

Cousinchen rief. Fast alle kamen
ins Alpendorf, in Festesrahmen
zu feiern Dich als Jubilar,
der heut vollendet 60 Jahr.

Daß Du im besten Alter bist,
in dem sich zeigt, was in Dir ist,
sag´ ich Dir jetzt ganz frei heraus,
der Dir um fünf Jahr ist voraus.

Was ist am Primeur-Wein schon dran?
Berauschen tut er Frau und Mann.
Du findest kein Bouquet in ihm;
und Blume, Charme sind auch nicht drin.

Willst Weines Wonnen Du genießen,
daß Lebenskräfte Dir ersprießen,
so trinke - laß von mir es sagen -
den alten Jahrgang guter Lagen.

Was in ihm steckt an Jugendkraft
ist ausgereift im Rebensaft
zu ausgeglich´ner Harmonie,
wie eine schöne Melodie.

Wie für den Wein, gilt´s für den Mann:
Ist an den Sechzigern er dran,
dann ist der Partnerin beschert
der Mann von zehnfach hohem Wert.

Denn jetzt ist er gereift so weit,
daß einzusehn er ist bereit,
welch Chance erhält das künftge Leben,
wenn beid´ im Wechsel Freude geben.

Mir laßt Euch geben gute Lehren:
Haltet die Sechziger in Ehren,
damit, wenn Ihr einst siebzig seid,
die Zeit noch schöner werd´ zu Zweit.

 

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